Die größte der Volpersdorfer Kolonien ist Köpprich; sie liegt in einem Tal am Fuße des Eulengebirges in 500 m Höhe, bewaldete Berge säumen sie ein. Wanderer wissen dieses einmalig schöne Gebiet zu schätzen. Eigentlich sind es zwei Kolonien, Köpprich und Glashütte. Die Entstehung dieser Ortschaft begann im Glashüttengrund, einem engen Tal, durch das der Weg zum Volpersdorfer Plänel führt. Dort ließ der Freiherr von Morganthe, Erbherr von Volpersdorf, 1660 eine Glashütte errichten, weil dort die nötigen Rohstoffe vorhanden waren: umfangreiche Forsten und Quarzgänge. Glasmacher, Holzhacker, Köhler, Aschenbrenner, Glashändler und auch Bierbrauer waren hier die Wegbereiter der Besiedlung des Köpprichtales. Die Hüttenfeuer verzehrten den umliegenden Wald; man rodete und legte Felder an. Und so entstand eine größere Kolonie mit Landwirtschaft. In zahlreichen Fischteichen wurden Forellen gezüchtet, so dass am Köpprichwasser auch Hütten für die Teichwärter entstanden. An diesem Bach lagen auch zwei Mehlmühlen.
Als in der Nähe Kupfer- und Eisenerze entdeckt wurden, baute man diese ab und verhüttete sie. 1855 bis 1860 standen in Köpprich zwei Hochöfen und eine Eisengießerei. An dieser Stelle entstand später die Barbarahütte als Maschinenbau- und Reparaturbetrieb für den Bergbau. – 1793 gründete der Baron von Hemm und Hemmstein die Steinkohlengrube „Rudolph“, wo die beste Kohle im Neuroder Revier gefördert wurde mit zuletzt über 1000 Beschäftigten. Für die Bergleute wurden Wohnblocks und auch Einfamilienhäuser gebaut. Die Einwohnerzahl stieg ständig; im Jahre 1930 schon auf fast 1000.
1876 erhielt Köpprich eine eigenständige Volksschule, Handwerker und Geschäftsleute kamen. Zwei Gasthöfe luden zur Einkehr ein, der „Zum Köpprichtal“ und der „Zum Kopernikus“. Der letztere hat den Namen nach dem berühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus, der nach der Meinung einiger Forscher in Köpprich geboren wurde; sein Vater hätte hier mit Kupfer gehandelt. - 1927 wurde ein Kirchbauverein gegründet, und am 24. 9. 1939 konnte hier die Barbarakirche eingeweiht werden – So stieg Köpprich von der traulichen Waldeinsamkeit zu einer pulsierenden Industriesiedlung auf, wo der Bergmannsgruß „Glück auf“ zum Alltag gehörte.
Das Ende des letzten Weltkrieges brachte mit der Austreibung der Deutschen im Jahre 1946 eine bittere Wende. Die Rudolphgrube ist seit langem stillgelegt, in der Barbarahütte wird nicht mehr gearbeitet. Die Arbeitslosigkeit mit über 30% veranlasst viele der polnischen Bewohner zum Abwandern. Dieser wirtschaftliche Niedergang wirkt sich auch auf das äußere Erscheinungsbild des Ortes aus, der seit 1945 Przygórze heißt.
K ö p p r i c h / Przygórze




St. Barbara Kirche in Köpprich








Blick vom Grubenweg
Teich der ehemaligen Barbarahütte
Firma: SPAZ ENERGETIK-SCHALTSCHRÄNKE - früher Barbarahütte
Früher Hof Franz Olbrich in der Morgenröte
Früher Gasthaus Krause
dann deutschsprachige Grundschule von 1950 bis 1957
Auf dem Weg in die Glasehütte

Glashütten Tal



Alte und neue Schule

Krause Gasthaus später Schule

















Silberhochzeit der Fam. Hoffmann








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Meine Zeit in Köpprich vor der Vertreibung 1946
Ein Bericht von Martin Gottwald, geb. 25.09.1931 und wohnte in Haus-Nr. 212 in Köpprich (diese Zeilen wurden von Walter Großpietsch zugeschickt und von Bernhard Grolms übernommen) Selbst im fortgeschrittenen Alter denkt man noch gern an die Kindheit, besonders an die aufregende Schulzeit, zurück. Die Kindheit ist einem immer nah. Auch nach Jahrzehnten. In einen so kleinen Ort wie Köpprich, wo jeder jeden kannte, gab es wenig kulturelle Höhepunkte für uns Kinder. Es war Kriegszeit. Der Lehrermangel war in unserem Dorf besonders groß. Nachdem unser Lehrer Bittner zu den Soldaten geholt wurde, standen Hauptlehrer Schmelz und Fräulein Latuske (beide bereits im fortgeschrittenen Alter) vor der schwierigen Aufgabe, über 150 Kinder zu unterrichten. Zwei Jahrgänge lernten damals in einer Klasse. Wir in den oberen Klassen, in den 5., 6., 7. und 8. Klassen, hatten nur zwei bis drei Stunden Unterricht am Tag. Heute kaum vorstellbar. In der dritten Klasse hatte unser Jahrgang den letzten Unterricht bei Lehrer Bittner erhalten. Er war streng, aber gerecht. Für eine Ohrfeige (die einzige, die ich in der Schule je bekam) entschuldigte er sich sogar. Auch ein Lehrer muss nicht immer im Recht sein. Der Religionsunterricht, der damals nur für Katholiken erteilt wurde und als „Hobby“ des Hauptlehrers galt, war nicht gerade bereichernd für unsere Bildung. Andersgläubige durften in dieser Stunde nicht dabei sein, sie hatten vielleicht einen „anderen Gott“. Im Sportunterricht – „zur Abhärtung“ gedacht - mussten wir im Bach waten, was wir ja sowieso genügend in der Freizeit schon taten. Der einzige Fußball an der Schule wurde uns schon nach zehn Minuten Spielen abgenommen. Er sollte für die nächste Generation geschont werden... Erich Göbel (Jahrgang 1932), ein Mitschüler aus einem jüngeren Jahrgang, beschrieb kurz vor seinem Tot folgende Erinnerung an eine Schulstunde bei Lehrer Schmelz: „`Erich aufstehen! Wie stehst du wieder da!?`, rief mir der Lehrer forsch zu. `Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein, Arschbacken zusammen, die Füße im Winkel von 45 Grad! Und nun erzähl mal - wie ist in eurer Familie die Rangfolge`? Ich erwiderte darauf: `Zuerst kommt der Papa, Herr Hauptlehrer Schmelz`.' `Das ist dein Vater, und der hat einen Namen`! blieb Lehrer Schmelz bei seinem forschen Ton. Ja, das ist der Seffe` entgegnete ich. `Aber Erich, der heißt doch Josef Göbel`! `Ja, Herr Hauptlehrer Schmelz. `Und wer kommt danach?` Dann kommt meine Mutter:` `Ja, und weiter?` `Dann komm ich`, Herr Hauptlehrer Schmelz.` Schließlich war ich ja das Älteste von den Kindern. `Aber nein und nochmals nein!!` polterte mir Schmelz wieder entgegen. `Zuerst kommen alle deine Geschwister. Dann kommt lange, lange nichts. Dann kommt ein großer Haufen Mist, und dann kommst du erst`. Es ging in der Reihenfolge also weiter mit der Weinliese (meiner Schwester Annelies), dem Lockenkopf (Christel), dem Casanova (Walter) und Gina (Regina). `Und wie wie weiter?' hakte Schmelz wieder nach. `Da müssen wir noch etwas warten`, stammelte ich, `aber lange kann es nicht mehr dauern`. Meine Mutter war damals schwanger. Also kam zunächst nach Regina der große Haufen Mist, dann endlich ich. Danach durfte ich mich schließlich setzen“. (Danach kam noch der Günter und die Renate). Auch ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Fräulein Latuske Mitschüler von mir mit dem Stock verprügelte. Dabei geriet sie in fürchterliche Wut. Ihr Gesicht lief rot an vor lauter „Anstrengung“. In Wirklichkeit wirkte sie einfach überfordert, wusste sich nicht anders zu helfen. Doch auch wir waren damals keine Engel. „Arme Lehrerin!“ denke heute darüber. Es muss 1944 gewesen sein, als eine sehr junge Lehrerin aus Neurode als Verstärkung an unsere Schule kam. Sie hieß Fräulein Krause. Mit ihrer jugendlich-frischen Art veränderte sie den Unterricht. Das Lernen machte wieder Spaß. Fräulein Krause gewann sofort unsere Herzen. Bei einem Test stellte sie jedoch bei uns den Bildungsnotstand fest. Ich werde ihre Worte nicht vergessen: „Kinder, wie seit ihr nur dumm!! Ihr habt ja keine Ahnung!!“ Darauf unternahm sie alles nur Mögliche, um uns Wissen zu vermitteln. Das Lernen mit ihr machte jetzt Spaß. Wir lernten viele Lieder und Gedichte. Zum Geburtstag des Heimatdichters Robert Karger marschierten wir nach Neurode und sangen vor seiner Tür das von ihm stammende Lied „es leid ei a Berga a Puschhäusla kleen“. Karger kam heraus, die Freude war ihm anzumerken. Er meinte zu uns: „Solltet ihr einmal in die Ferne gehen, dann vergesst nie eure Heimat“. Wie oft musste ich später an diese Worte denken. Robert Karger bewirtete uns daraufhin mit Kuchen und Kaffee. Dann machten wir uns wieder auf den Heimweg nach Köpprich. Leider war der Aufenthalt von Fräulein Krause nach nur wenigen Monaten in Köpprich durch das Kriegsende vorbei. Es gab von da an keinen Unterricht mehr in unserer Heimat. Wir lebten in einer Art rechtsfreiem Raum. Die Kinder hatten offiziell keine Möglichkeit mehr, die Schule zu besuchen. Noch gut erinnern kann ich mich auch an das Kirchenleben in Köpprich. Ich war selbst Ministrant. Im Dorf gab es damals 90 Prozent Katholiken. Doch erst ab 1944 betreute sie ein ständiger Geistlicher, ein sehr junger Kaplan. Die Dorfbewohner schätzten ihn sehr. Vor allem wir Jugendlichen, mit denen der Kaplan viel wandern ging, Lieder lernte und (was wir damals toll fanden) mit uns baden ging. Als er im Hausdorfer-Freibad vom Fünf-Meter-Brett einen Kopfsprung gekonnt vorführte, waren wir sehr beeindruckt von ihm. Der Kaplan entpuppte sich auch als guter Schlittschuhläufer. Er versuchte, uns auch dies beizubringen. Mein Schulfreund Manfred Scholz (ein begabter junger Musiker) lernte damals, das Harmonium in unserer Kirche zu spielen. Seine Lieder und Präludien kamen vor allem bei der Jugend gut an. Wir waren daran gewöhnt, vom Vorgänger immer die gleichen und monoton gespielten Lieder zu hören. Doch das änderte sich jetzt. Auch dank Manfred Scholz. Der Kirchenchor sang neue, vom Kaplan einstudierte Lieder. Zum Weihnachtsfest sangen wir gemeinsam das „Transeamus“. Mein Schulfreund Erich Puder trat als Sollst auf. Wir erlebten dies als kulturelle Höhepunkte in unserer Kirchengemeinde. Unser Kaplan war beliebt. Und doch ließ er unsere Gemeinde gerade in der komplizierten, schweren Nachkriegszeit 1945 im Stich. Über Nacht verließ er Köpprich, ohne Abschied zu nehmen. Zum Kriegsende verstarb unser Hauptlehrer Schmelz. Natürlich begleiteten wir Kinder den Sarg nach Volpersdorf auf den Friedhof. Ich durfte damals als Ministrant mit dem Kreuz vorangehen. Dabei dachte ich immer wieder an seine Worte, die er mir gegenüber einmal gesagt hatte und die mich damals sehr getroffen hatten: „Dein Vater ist Bergmann, und du wirst auch einmal Bergmann werden“. Also brauchte ich mich in seinen Augen in der Schule gar nicht erst anzustrengen! Heute weiß ich: Lehrer Schmelz hatte recht. Ich habe 40 Jahre als Bergmann gearbeitet, davon allerdings 35 als Ingenieur. Doch so hatte er es damals bestimmt nicht gemeint. Da es nach dem Kriegsende für uns Jugendlichen keine Schule mehr gab, arbeiteten wir zunächst teilweise in der Forstwirtschaft oder später in der Landwirtschaft. Wir halfen überwiegend in Weigelsdorf und Langenbielau bei polnischen Bauern. Montag frühmorgens ging es von Köpprich aus über das Gebirge zu diesen „Landwirten“. Die Woche über arbeiteten wir bei ihnen. Samstags ging es zurück nach Köpprich. Mein Schulfreund Alfred Heimann und ich saßen zu dieser Zeit eines Abends am Waldrand. Wir schauten auf unser Dorf. Und unsere Gedanken waren: „Wir werden wohl bald unsere Heimat verlassen müssen, unser Dorf mit allem, was unsere Väter und Vorfahren geschaffen haben. Traurig“. Auf das Schicksal gefasst, das uns bevorstand, kehrten wir ins Dorf zurück. Ich kann mich noch gut an jenen Abend, an jenes Gespräch erinnern. Im November 1946 sollte es sich bewahrheiten: wir wurden aus unserer Heimat vertrieben. Alle meine hier erwähnten Schulfreunde leben heute leider nicht mehr. Martin Gottwald |