Geschichten
 
Naturerscheinung
 
Wieder einmal waren wir in der Grafschaft unterwegs, wie jedes Jahr, wenn wir in Volpersdorf Urlaub machten. Es war ein Sommertag, wie er schöner nicht sein konnte. Der Himmel war fast wolkenlos und von einem blau, wie man es  nicht jeden Tag sieht und die Sonne leuchtete mit unseren Augen um die Wette, ob der Schönheit um uns herum. Wir wollten zu einem Aussichtspunkt im Naturschutzgebiet, hoch im Gebirge. Wir fuhren eine schmale Straße in Serpentinen langsam bergauf, links und rechts davon war dichter Wald. Als wir schon einige Zeit unterwegs waren, und der Wald uns einen freien Blick ins Land gestattete, sahen wir, wie sich langsam aber stetig dicke weiße Wolken und auch einige dunkle aufbauten. Da der Tag sehr warm war, nahmen wir an, es würde ein Gewitter geben. Etliche  Serpentinen später, sahen wir eine äußerst merkwürdige Wolkenformation. Die weißen Wolken bildeten einen großen geschlossenen Ring, der im Innern ganz dunkel ausgefüllt war, sonst war der Himmel blau. Es sah aus, als schwebe ein riesiger Heiligenschein über dem Grafschafter Kessel. Wir wollten dieses Phänomen gerne fotografieren, waren aber auf dieser schmalen Straße nicht dazu imstande, zumal es noch andere Autos gab, die nicht überholen konnten, also weiterfahren. Wir fuhren so schnell als möglich dem Aussichtspunkt zu. Als wir ausstiegen und endlich unseren Apparat schussbereit hatten, war das interessante Wolkenbild verschwommen und zerfasert. Wir waren sehr enttäuscht, haben uns aber gleich mit dem herrlichen Blick auf Bad Reinerz getröstet, dass tief im Tal unter uns lag und dem Eulengebirge, welches sich gegenüber am Horizont entlang zog. Wir blieben noch eine ganze Weile um dieses Panorama zu genießen, dann kam der unvermeidliche Rückweg. Er führte uns zu einem Japanischen Garten und zur Marien Kapelle, oberhalb der Marien Quelle, mitten in einem Wald, aber das ist eine andere Geschichte.
I.R.
 
Die kleine Waldkapelle
 
In einem hohen Wald, nicht weit von Zieleniec (deutsch Grunwald), steht eine kleine aber schöne Kapelle. Sie wurde 1876 erbaut. Leider konnten wir sie nicht von Innen sehen, weil sie so wie jeden Tag erst um 16 Uhr für die Messe  geöffnet wurde. Da sie sehr klein ist und daher wenig Platz bietet, müssen die Menschen  mit den Bänken vor der Kirche vorlieb nehmen. Wer sie erbaut hat und weshalb sie gerade dort steht, konnten wir  nicht in Erfahrung bringen aber wir nehmen an, dass es mit der Quelle zu tun hat deren Wasser, so die Einheimischen, wohl ein Wunder bewirkt hat. Die Marienquelle wie sie genannt wird, fließt einige Meter tiefer seitlich der Kapelle unermüdlich  aus den Steinen. Wie uns die Einheimischen erzählt haben, ist es eine Heilquelle. Das Wasser wurde wissenschaftlich untersucht und festgestellt, dass es sehr heilsam gegen  Augenleiden ist. Es ist wunderbar rein und klar, wir haben es auch getrunken es schmeckte vorzüglich, soweit man das beurteilen kann. Viele Menschen der weiteren und näheren Umgebung, kommen dort hin, um für sich und ihre Angehörigen von dem Wasser zu holen. Es wird getrunken, aber auch zum Spülen der Augen benutzt. Über der Quelle, gibt es einen sehr schönen alten Altar, wahrscheinlich aus der Bauzeit der Kirche. Auf diesem steht in Deutsch der Spruch:
 
                                      Maria hilf an Gottes Thron
                                      Für mich bei Jesu deinem Sohn
                                      Der hochgelobt sei alle Zeit
                                      Von nun an bis in Ewigkeit
 
Wie oft dieser Spruch wohl in den vielen Jahren gebetet wurde? Wir denken sehr oft.
Daneben gibt es noch einen verschlossenen Schrein, in den man nur durch ein Fensterglas blicken kann, er enthält eine Madonna und Devotionalien. Ansonsten stehen noch viele Marienstatuen und unzählige Blumen dort, die Besucher aufgestellt haben. Jeden Tag kommen Touristen und  Einheimische, um Maria ihre Aufwartung zu machen und ihr zu Danken. Sehr gerne hätten wir einer Messe beigewohnt, aber uns fehlte die Zeit, da wir noch einige andere Sehenswürdigkeiten anschauen wollten, so wie den Japanischen Garten in Jarków, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
                                                                                                                                     I. R.
 
          
 
Der Japanische Garten in Jarków (Järker)
 
Nach einem letzten Gebet an der Marienquelle, machten wir uns auf nach Jarków in den Japonski Ogród also in den Japanischen Garten. Ein ganzes Stück von der Hauptstraße entfernt, führte uns der Weg zu einem sehr schönen Wohnhaus, dass einem Ehepaar gehört, das  mit viel Liebe, Geschick und noch mehr Arbeit diesen besonderen Garten angelegt hat. Er ist nicht sehr groß, aber gerade deswegen besonders schön fast märchenhaft und wie man auch sehen kann, wird er ständig erweitert. Wir wurden freundlich empfangen, zahlten unseren Obolus, und man zeigte uns das Tor zum Garten. Was wir dort sahen, war wunderschön. Ein ansteigendes Gelände war mit Bäumen aller Arten, Formen und Farben bepflanzt. Viele waren wie übergroße Bonsai gezogen und geschnitten, manche sahen aus als hätte jemand über zwanzig große grüne Schirme in Kaskaden an einen Stamm gesteckt, andere waren so verbogen , dass sie wie im Halbkreis über dem Boden hingen. Dazwischen immer wieder zauberhafte Wasserspiele kleine Büsche und Sträucher größere und kleine Teiche, mit Wasserfall und Kaskaden, die den nach strengen Japanischen Vorgaben gestalteten Garten auflockerten. Bunte Goldfische, die ihre Kreise im Wasser zogen, gaben dem ganzen noch zusätzlich Farbe. Alle Wege, Wässer und Beete waren mit Natursteinen und Platten besonders schön eingefasst und auf manchen kleinen Steingebirgen, hatten sich Moose angesiedelt, was einen besonderen Effekt hatte. Überall in der Anlage waren riesige Findlinge in großer Zahl und besonderen Formen. Zwischen den hügeligen Wegen, befanden sich auf feinen Kies gesetzt etliche Laternen und Pagoden. In den großen Kiefern hörte man gezwitscher, die Vögel hatten den Garten auch schon in Besitz genommen und es schien ihnen zu gefallen. Bambus und zarte Gräser in grün und grau umrandeten Bäume und Wege. Besser kann ein Japanischer Garten nicht gestaltet werden, er ist für Gartenliebhaber eine Augenweide und wenn man langsam und aufmerksam durch die Anlage geht, vergisst man das hecktische Getriebe draußen vor dem Tor.
                                                                                                                                I .R.
 
    
 
 
Ein wahres Märchen-
Bernstein
 
Es war einmal vor vielen Millionen von Jahren, da bedeckten  die Kontinente noch riesige Wälder. Eines Tages nun, geschah  ein großes Unglück und viele Bäume spürten, dass sie sterben müssten. Darüber waren sie sehr verzweifelt und hätten gerne etwas gefunden, wodurch sich ihr Schicksal gewendet hätte. Es dauerte nicht lange, da hörte auch die Fee des Waldes die Klage der Bäume. Eilig machte sie sich auf, um sie zu trösten. Sie sprach zu ihnen: „ Meine Freunde, seid nicht traurig, es ist in der Natur so vorgesehen, dass jede Pflanze eines Tages sterben muss, aber im Laufe ihres Lebens Nachkommen zeugt, die ihren Weg durch die Jahrhunderte fortsetzen werden, durch alle Zeit.“ Die Bäume hörten gut zu, nur verstanden sie den Sinn der Worte nicht und wurden immer verzweifelter. Sie jammerten und weinten und weinten. Große Tropfen rannen von Zweigen und Stämmen  fielen auf die Erde und vereinigten  sich im Sand. Der Sonne tat ob dieser Tragödie das Herz weh und sie leuchtete so hell und schön wie sie nur konnte auf die Erde, aber nichts hielt das Sterben der Bäume auf. Noch heute, nach fünfzig Millionen Jahren, findet man die versteinerten Tränen in großer Vielfalt wieder, als hätten sie die Sonne eingefangen. Die Menschen sprechen von Bernstein.
                                                                                                 I. R.

A stolzer Hoahn

Amol wuchs a klänes Schiepala zo am stoattlicha Hoahne mit am prächtiga Gefieder azu. On dar stolzierte sehr selbstbewußt ei säm Hinnerhofe rem, duldete kann Rivala on woar dervone ieberzeugt, niemols änn Fehler zo begiehn. Allmählich wurde ar oaber taab ferr oalle weisa Rotschläge on aach blend ferr oalle Gefährdunga. On asu woar ar schließlich äne leichte Beute ferr änn Fochs. Ei ämm nohnda Peschla foand ma dann bloß noch a poar bunte Fadarn, die oa doas ieber aus stolze Wesen erennerta.- On doas woarschll On beim Fochse wie aach bei sann Genossa woar der Opptiet off Hinnerflääsch asu gruuß geworn, doaß se siech äne Henne noch der andarn hullta. Do werd ma halt a beßla nochdenklich ieber doas, woas Stolz letztlich eibrängt. - Wie ofte begäänt ma doch Männarn, Frauen oder ganza Völkarn, ferr die es besser gewaast war, sie hätta vo dam stolza Hoahne woas gelannt.

                                                                                                         Hermann Günzel

Regentage.

Eigentlich war bei uns Kindern immer etwas los, nur an Regentagen hatten wir manchmal Langeweile. Heute war mal wieder so ein Tag. Ich schlich herum und wusste nicht was ich anstellen sollte. Da sagte meine Großmutter auf einmal, ich muss auf den Dachboden, wenn du möchtest, kannst du mitkommen. Das war ja schon mal  was, denn dort war es immer sehr spannend. Es gab dort viele alte Sachen, die frühere Generationen dort ausgelagert hatten,  weil sie zu schade zum Wegwerfen waren. Als wir oben angekommen waren, zeigte meine Großmutter auf eine alte Reisetruhe in der Ecke, die mir noch nie aufgefallen war, wohl weil ich mich dort selten aufhielt und sagte: " Ich suche ein altes Buch und ich denke, es liegt vielleicht in der Truhe meiner Eltern.“ Diese waren schon vor langer Zeit gestorben; nur einige Andenken lagerten noch dort." Ihr Kinder könntet doch die Truhe nach dem Buch durchsuchen. Gleich nach dem Essen könntet ihr damit anfangen, ich habe leider keine Zeit dazu." Begeistert stimmte ich ihr zu. Kaum war die Mahlzeit beendet, trommelte ich meine Freunde zusammen. Alte Kisten und Kästen, hatten uns schon immer interessiert; und gar eine Truhe, wer weiß, was für geheimnisvolle Dinge sich darin befanden. Wir kamen uns vor wie Schatzsucher und das wollten wir nun auch sein. Der Deckel der Truhe war ziemlich schwer, aber mit vereinten Kräften, schafften wir sie zu öffnen. Zuerst sahen wir gar nichts, denn durch das Dachfenster drang nicht viel Licht in den großen Raum. Wir rückten und schoben  alle zusammen die Truhe unter das Lichtviereck. Nun konnten wir die Schätze begutachten. Obenauf lag ein schwarzes Spitzenkleid mit vielen, vielen kleinen Knöpfchen, die mit Seide bezogen waren; wir fanden es sehr hübsch. Wie sich später herausstellte, war es das Brautkleid meiner Urgroßmutter. Dann kam noch ein Kränzchen mit getrockneten Rosenblüten zum Vorschein, eine alte Pfeffermühle aus Messing, ein Zuckertopf aus Kristall, jede Menge Bücher , eine alte Familienbibel mit Eintragungen in Sütterlin, einer  alten deutschen Schrift, die ich zu der Zeit noch nicht gut lesen konnte. Alte Bücher von der Nordseeküste, aus Rendsburg und Hamburg, wo mein Urgroßvater geboren und aufgewachsen war. Ein paar alte Ansichtskarten vom Hamburger Hafen, eine silberne Gürtelschnalle mit lila Edelsteinen und eine alte Schiffermütze mit goldenem Anker fanden wir auch. Außerdem, ein silbernes, ein goldenes Hochzeitskrönchen und einen Zylinder, den wir alle einmal aufsetzen mussten. Die Jungen stolzierten wie feine Herren daher und wir Mädchen haben uns kaputt gelacht. Vor allem der feine Stock mit dem Silberknauf hatte es ihnen angetan. Auch die alte Lorgnette die wir fanden, wurde ausgiebig bewundert und ausprobiert. Das Buch, welches meine Großmutter haben wollte, fanden wir auch, es war ein Kochbuch , von Henriette Davidis, dass ich noch heute besitze. So wühlten und spielten wir den ganzen Nachmittag, bis zum Abend. So einen schönen Regentag hatten wir noch nie und wir waren meiner Großmutter sehr dankbar dafür.                                                                                                                             I. R.

  Rond em’s Fansterbottla

O je, die Wenter woarn woll Derhääme stränge! Oaber mier Groafschoafter woßta ons zo halfa. A koam ju oalle Joahre, da biese Wenter, also mußte ma doodruuf vierbered’t sein. Nee oalle hoatt mer Doppelfanster, derwäjen wurde schon em Sommer Moos aus’m Posche gehullt on getroijt. Asu em Oallerhei-lijen rem hookte ma fer die äfacha Fanster draußa die schinn verzierta Fanster-braatlan ei. Ei a Zweschenraum koam  troijes, wääches Moos oder grien gefärbte Holzwolle. Dermit doas oalles a hibsch aussoach stackte ma ei doas Moos, oder die Holzwolle bonte Struhbliemlan. Die klänn Fanster woarn zwoar em etwa fuffza Zentimeter klänner geowarn, aber ma woar geschetzt on der Wenter kunde koamma. Ar kaom, wie emmer, met gruußer Kälde on ließ die Fanster ei der Nacht bis nuff met schiena Eisbluma gefriarn, on Morjas kunda mier Kender, met viel Spaaß, die erschta Lächlan ei die „Blumabeete“ haucha. Doas Eisswoasser lief oam Fanster nonder, nee ärn off a blanka Fansterkoop, doo-derfiere woar viergesorjt, nä, ei ääne Renne oam Fansterkoppe drenne lang on off der Seite vum Fanster ei a Bottla, woas onderm Fansterkoppe uufgehängt woar. Doas woar doas Fansterbottla, on doas mußte iebra Tag efter geläärt waarn. Also hieß doas woll a uufpaossa! Denn wenn doas woarm ei der Stube wurde, die Fanster oabtaata, lullerte a ganz beßla Woasser ei die Bottlan nei. Mier Kender woarn doo emsiech bei der Sache, kund mer sche doch ausläärn on ei der Woaschschessel met daam Woasser a weng remproantscha. Scheffla foahrn! Oaber doas Fansterbottla hoatte aach a Geheimnes! On wie doas met Geheimnessa ies, die bränga ääne gruuße Spoannong miete. Nu ja, doas kaom asu! - Kamm doas die Fansterbraatlan draußa eigehanga woarn, die schinn Struhbluma lechta toata, durfte iech doch jeda Oomd a Steckla Zocker draußa off doas Moos oam Fansterkoppe leen. Der Kloapperstorch teet siech doas hulla on mier geschwende a Geschwesterla bränga, sääte die Mutter. Nu woar iech met daan Ohrn ganz bei der Sache on horchte emmer ob iech woas hoarte wenn der Storch siech doas Steckla Zocker hullt. On doas ääne Moal, es woar schonn fenster on ooßiech kaalt draußa, hoart mer doch woas eis Fanterbottla lullan! „ Siste, sääte die Mutter, doas Geschwertala pullert schon ei’s Fansternappla!“  Na, wie doas meegliech woar, mechte iech hoite nooch wessa. –

                                                                                                                                                         Erhard Gertler

Rauchzeichen

Jeder hat als Kind wohl mal Dummheiten gemacht und meistens ist immer alles gut gegangen. Schon seit mehreren Tagen trockneten wir Brombeerblätter und das hatte seinen Grund. Jeder von uns Kindern besaß eine alte Tonpfeife, die vorher Eigentum eines Stutenkerls gewesen war. In dieser wollten wir die getrockneten Blätter rauchen, um einmal auszuprobieren, ob der Genuss  des Rauchens wirklich so groß  war, wie unsere Väter immer behaupteten. Still und heimlich, schlichen wir uns auf den kleinen Platz hinter die Felder. Jeder hatte sein Rauchgerät in der Tasche. Die Blätter waren richtig schön trocken,  rochen aber eher nach Tee als nach Tabak .Fleißig stopften wir sie so gut wir es verstanden,  in den Pfeifenkopf. Dann Feuer hinein und dann wurde gepafft und gehustet und gepafft und gehustet, was das Zeug hielt. Auf einmal Alarm. Der große Bruder meiner Freundin, kam mit dem Rad von der Arbeit nach Hause und sah uns dort sitzen .Was tun? Erde in die Köpfe und löschen. Nur bei einem von uns reichte es nicht mehr, er steckte seine Pfeife schnell in die hintere Hosentasche.“ Was macht ihr denn hier hieß es.“ Ooch,  wir spielen nur Indianer “sagten wir,“  und hüpften und stampften, dazu sangen wir dann uff und hach , legten die Hand auf den Mund und trillerten vor uns hin, dass  mancher Indianer neidisch geworden wäre, hätte er uns zusehen können. Ungeduldig warteten wir, dass der große Bruder wieder verschwinden würde, aber der ließ sich Zeit.  Unserem Freund wurde die Pfeife mittlerweile ganz schön heiß am Allerwertesten und vorsichtig zog er sie ein Stück heraus. Der Wind blies hinein und ließ sie richtig qualmen, was er ja nicht sehen konnte. Der ungebetene Gast aber sah es und lachte über das ganze Gesicht. Ja, ja, ist ja OK ihr Indianer,  aber könnt ihr mir wohl sagen was die Rauchzeichen zu bedeuten haben? Dann fuhr er laut lachend nach Hause. Uff, sagte unser Freund das war knapp, ich glaube, ich habe schon eine Brandblase, lasst uns lieber nach Hause gehen es gibt sowieso gleich Abendbrot.                                                                                                                                                                                                                                                                                I.Reimann

Die ruckzuck sind se weg  Pilze.

Vor kurzem war ich wieder einmal in meiner Heimat Volpersdorf.  An einem sonnigen Herbsttag, nahm ich mir einen kleinen Weidenkorb und dachte, morgen gibt es Pilze wenn ich genügend finde, also gib dir Mühe. Langsam, ganz gemütlich, stieg ich die Eisenlehne hoch und erfreute mich an den vielfarbig leuchtenden Ahornbäumen, die ab und zu  durch den Wald lugten. Pilze gab es reichlich wie mir schien. Immer wieder fand ich sie am Waldrand, im Moos zwischen Fichtensämlingen  oder an einer  sonnenbeschienenen Stelle. Es gab Butterpilze, Steinpilze, Groaseschwoappa und den einen oder anderen Pfifferling. Ich hatte schon ganz gut gesammelt und musste mich erst einmal vergewissern, wo ich denn nun eigentlich war. Ich bemerkte, dass ich mich in der Nähe des  Rohmhübels  befand. Plötzlich, sah ich nicht weit von mir eine hübsche junge Frau mit einem Körbchen stehen. Sicher sucht sie auch Pilze- dachte ich. Irgend wie sah sie aber nicht so aus wie die Frauen im Dorf, mit ihrem langen blonden Zopf und dem hübschen aber doch fremdartigen lichtblauen Kleid. Beim näherkommen sprach sie mich an und fragte:“ Was für Pilze suchst du denn?“ Weil sie so seltsam war, machte ich mir einen Spaß und sagte:“ Die ruckzuck sind se weg Pilze.“ Die kenne ich nicht, gibt es die jetzt?  Wir gingen ein Stückchen  zusammen weiter, bis zu einer Lichtung auf dieser standen wunderschöne  Maronen. „ Siehst du, sagte ich zu ihr das sind die ruckzuck sind se weg Pilze“. Nahm mein Messer , schnitt sie schnell ab und legte sie in meinen Korb. Sie schaute zu und lachte, dann sagte sie:“ Du bist ja noch viel besser als ich zu Streichen aufgelegt, aber  nun muss ich leider gehen.“  Ich sagte: „ Du hast doch noch keine Pilze, die brauche ich auch nicht, ich gehe zum Rohmhübel und fort war sie, als hätten  Sonnenstrahlen sie mitgenommen. Ob das die Hofe Verone war?  Wer weiß.

                                                                                                                             I. R.

Die gruuße Angst

Die Ludwig Schneidan kläät on klenselt on jammert schrecklich stundalang, o Gott, nä nä´s ies zom Verzweifan, mei Moan ies schon verza Toage kroank! Etz tut ach onse änzige Ziege  ganz drehnich seit heute Nacht, ich hoa dam lieba guda Vieche en warma Eiguß schunn gemoacht! Mir ies woarhaftig Angst on Bange, doa selta kemmt bloß ä Moläär, ääs vo dan beda watt wull druufgiehn, wenn´s bloß nee die Ziege wär!

                                                                          Von Waltraud Töpper

Die Fledermaus mit dem Rosenblatt.

Oft saß ich an Sommerabenden auf unserer alten Bank im Garten. Die Tageshitze löste sich in der Abendkühle auf und der Himmel bekam eine wunderschöne Patina in allerlei Farben. Die Fledermäuse zeichneten sich vor dem hellen Abendhimmel wie ein Schattenspiel ab. Es war, als führten sie ein modernes Märchen auf. Stundenlang hätte ich zuschauen können; aber der Himmel wurde langsam immer dunkler. Plötzlich, sah ich eine der Fledermäuse nur noch langsam und taumelnd fliegen, irgendetwas musste ihr zugestoßen sein. Am nächsten Morgen, Tau lag noch auf allen Blättern, ging ich sehr früh in den Garten  wie ich es  häufig tat, um  die Morgenstimmung und die frische Kühle zu genießen. Auf dem Weg zu meiner Bank, kam ich an den alten englischen Rosen vorbei. Ihren Duft den sie tagsüber verschwenderisch verströmten, nahm man nur sehr zart wahr. Etwas auf dem Boden fesselte meine Aufmerksamkeit. Da lag doch tatsächlich eine kleine tote  Fledermaus  und ein rosarotes Blütenblatt  deckte sie liebevoll zu.

                                                                                                                                                      I. R.

Der Teufel kommt!

 In meiner Kinderzeit  waren die Menschen noch viel religiöser als heutzutage und dem Pfarrer wurde es nie langweilig uns den Teufel auszumalen  der uns holen würde, wenn wir sündigten. Was sündigen  war, wussten wir nicht so genau, aber wie der Teufel aussah umso besser. Er war schwarz, mit  weißen  leuchtenden  Augen und einem langen Schwanz. In der  Kirche, hing ein großes Bild vom jüngsten Gericht, da war er in seiner ganzen Scheußlichkeit zu sehen. Na ja, heute kann man damit kein Kind mehr beeindrucken, aber damals. - Es war gerade die Zeit, als amerikanische und britische Soldaten aus Deutschland abzogen. In meiner Heimatstadt, hörten wir oft Tag und Nacht, die Militäreinheiten über die Hauptstraße fahren. Wir waren  fünf Jahre alt, meine Spielkameraden und ich. Wenn die Militärfahrzeuge auf dem Straßenbelag sangen, ( die Reifen hatten einen besonderen Sound ) dann gab es kein Halten mehr, dann hieß es nur noch  die Tommys kommen. Wieder einmal rannten wir der Straße zu,  wir blieben erstaunt  stehen, da stand  doch  ein sehr merkwürdiges Fahrzeug mitten im Weg, wie wir noch nie eins gesehen hatten. Es war ein Panzer, der neugierig von uns in Augenschein genommen wurde. Wir umkreisten das Gerät und überlegten uns, wie es wohl fahren  würde. Jeder hatte eine andere Meinung dazu. Plötzlich ging eine Luke auf und heraus schaute ein irgendwie schreckliches Etwas. Pechschwarz, weiße rollende Pupillen und ein Mund voll weißer Zähne, der von einem  Ohr zum anderen lachte, was wir aber in unserer Angst und Verblüffung gar nicht so sahen. Als dieses Wesen, dann noch in einer fremden  Sprache das Wort an uns richtete, da war´s aus. Meine Kumpel  schrien: Der Teufel  kommt  der Teufel  kommt! Und rannten  sich fast überschlagend davon. Ich war so geschockt, dass ich keinen Schritt  gehen konnte und starrte wie gebannt auf das schwarze Gesicht, dass  mir schon gar nicht mehr so schrecklich vorkam, weil die Augen lustig zwinkerten und in der Hand etwas lag, dass  ich als Schokolade erkannte, die ich  zu meiner Freude auch bekam. Bis zu diesem Tag, hatte keiner  von uns je einen Schwarzen gesehen. Mein Großvater erzählte mir am Abend, dass   in manchen Ländern  in denen es sehr heiß ist, schwarze Menschen wohnen, die sich nur durch die Hautfarbe von uns unterscheiden.

                                                                I.Reimann

Eine lustige Pfingstgeschichte

Der Pfingstpfarrer

In der Nähe  unseres Schulhofs, verlief ein alter Abwasserbach, der eigentlich noch ein Relikt aus alter Zeit war, nämlich der Teil eines Stadtgrabens, der vor Jahrhunderten um die Stadtmauer lief. Ab und zu, kam es schon einmal vor, dass wir Kinder beim Spielen nasse Füße bekamen, wenn wir den Ball mit einem Stock aus dem Wasser holen mussten, in den er im Eifer des Gefechtes gefallen war. Gut roch er danach nicht und wir mussten ihn erst einmal tüchtig abwaschen. Nun war es just so, dass der Pfarrgarten an diesen Teil des Grabens grenzte. Es war ein wunderschöner Frühlingstag und in einigen Tagen Pfingsten. Überall in den Gärten, regten sich fleißige Hände. Auch der Pfarrer werkelte schon eine ganze Weile in seinem Gärtchen herum. Nach einiger Zeit, richtete er seinen von der ungewohnten Arbeit schmerzenden Rücken auf, ergriff das Brevier, welches er in seiner alten Strickjacke verwahrt hatte und ging während er las, ständig im Garten auf und ab. In unserer Schule, hatte gerade die Pause begonnen und neugierig wie wir waren, wollten wir sehen, was der Herr Pfarrer dort machte. Wieder hatte er einige Seiten seines Breviers umgeschlagen und ganz vertieft in das Thema seiner Pfingstpredigt, ging er immer weiter auf den Bach zu. Flüsternt schlossen wir Kinder schon Wetten um Kaugummi ab, fällt der Pfarrer wohl hinein,  oder kommt er noch soeben davon. Kaum ausgesprochen, tat es einen lauten Platsch und das schmutzige Wasser spritzte in die Höhe. Also hatte der Pfarrer bei seinem intensiven Studium die Kurve doch nicht mehr bekommen. Er stand bis zu den Knien im Wasser, sein Gesichtsausdruck völlig verdutzt, weil er sich nicht erklären konnte, wie er dort hineingeraten war. Er stand eine ganze Weile so da, bis wir Kinder ganz fürchterlich anfingen zu lachen, ich glaube aber, der Herr Pfarrer lachte am lautesten. Dann nahm er eilig sein schlammiges Büchlein und kletterte zurück in seinen Garten. Dort rannte ihm schon seine Wirtschafterin entgegen, die das Missgeschick vom Fenster aus gesehen hatte: " Herr Pfarrer, Herr Pfarrer, sind sie noch heil"? Aber der Pfarrer lachte nur leise vor sich hin, dachte er doch an die vermaledeiten Kinder, die  schon länger dagewesen sein mussten und die ihn einfach in den Bach laufen ließen, ohne ihm eine Warnung zu zurufen. Er hat trotzdem eine schöne Pfingstpredigt gehalten. Und von diesem Tag an, hieß er bei uns Kindern: “ Der Pfingstpfarrer“.

                                                                                                                                    I.Reimann

Der Teich vum Kneppelmeller

Nä nä, es woar nee der Teich vum Kneppelmeller, es woar der aale Hoofeteich, a Koarpateich, schonn vu a poar Joahrhunderta aogeleet, fer die Herrschoaft off’m Dominium. Daam Freiherrn von Degenheym gehoarta frieher die Koarpa, oaber der Meller kunde , asu wie ars brauchte, sei Woasser oabnahma fer seine Sääjemiehle. Die aale Baache musste daan Teich emmer wieder uuffella. Die Braatmiehle wurde vu ons Kneppelmiehle genannt, weil  aus Stämma, Kneppan on oallem Braate gemacht wurda. Asu viel zor Geschichte.

Mier Jenglan woßta, wenn eim Herbste die Koarpaernte woar, on die Moanne, met Gummioaziecha on gruußa Netza dann Teich laar machta; „ Baale kemmt der Wenter!“ Oalle Koarpa woarn zwaor nee gefanga, andre zor Vermährong wieder ei a Teich geschmessa ei daan ma wieder fresches Woasser ließ. Der Wenter koam, der Teich fruer zu , on mier kunda Schlittschuhfoahrn. Die Struh-peschel, die aus daam Eise rausguckta, zeichta ons, „doas Eis ies decke genunk, die Fesche hoan Loft on mier kenna off a Teich!“ Kääner toat ons vertreiba, mier kunda onsan Spaß hoan! Eishockeye spiela, Kreisel drehn, die Määdlan emkrääsa on onse Kunststecklan zeija.

Oaber, oaber, der Kneppelmeller musste seine Braate schneida, brauchte Woas-ser! Daos Waosser soank, doas Eisa oa a Rändarn krachte , kriechte Resse on mier Angst. – Also nischt wie ronder vum Eise!! Andarn Taag woarsch, oals wenn siech die Decke wieder gehooba hätte, mier woarn wieder droffe.  – Bes es wieder knackte on knärrschte. Der Kneppelmeller toat wieder Braate schneida. Mier fuharn wetter, bes es taate. Ieberm Eise stoand daos Woasser, es wur gefährliech. –

Wenn ieberlääft, werd’s gefährliech, doas woßt mer, weß mersch a hoite nooch?

                                                                                                      Erhard Gertler, Gabersdorf

Der Geist im alten Speicher der Volpersdorfer  Brauerei.

Eine alte Erzählung

Es gab in früheren Zeiten, schon immer eine Brauerei in Volpersdorf und auch heute, stehen noch einige ihrer Gebäude. Sie lag ein wenig abseits des Dorfes, dort wo ein klarer Bach gutes Brauwasser bescherte. Es gab sehr gutes Bier, von dem auch heute noch so mancher zu erzählen weiß. Just in diesem Gebäude, trug sich eine unheimliche Geschichte zu. Kinder, die dort wohnten, streiften neugierig in den alten Gebäuden umher und kamen auch in einen alten Speicher, dessen Türe schon nicht mehr vorhanden war. In diesem Türrahmen, erschien zeitweise ein Geist, der so beschrieben wurde. Er hatte einen Kopf,  der wie ein rundes Wespennest aussah. Zudem trug er einen Rock auf den Schultern, der bis zu den Knien reichte. Beine hatte er keine. Gingen die Kinder auf den Türrahmen zu, war der Geist nicht mehr zu sehen, entfernten sie sich, kam der Spuk zurück. Deshalb glaubten sie an einen Scherz der großen Jungen, und suchten nach Fäden, Drähten, oder einem Mechanismus, der  den Geist beliebig hin und her transportierte, aber man fand nichts dergleichen. In einem Gang des Speichers lag ein Schweinetrog aus Holz mit dem Boden nach oben. Man wollte nachsehen, ob der Geist vielleicht darunter steckt. Ohne ihn zu berühren,  drehte sich der Trog mit einem heftigen Rumms auf die andere Seite. Leider war sonst nichts zu sehen. Seit diesem Schrecken, wurde der Speicher gemieden.

Eine andere Geschichte erzählt von einem Gang, der in einem heute abgerissenen Gebäude der alten Brauerei sein Ende nahm, kommend vom Dominium. Es war wohl ein alter Fluchtweg, der in den Wirren der Kriege und Raubüberfällen, denen Adelige und ihre Besitztümer ausgesetzt waren, angelegt wurde.

                                                                                                        I. Reimann

Die Sage von der Hoverone

 

In Volpersdorf und Umgebung erzählte man sich folgende Geschichte.

Eine Magd Namens Veronika diente im Schloss  in Ober-Volpersdorf. Sie war jung und sehr schön, und wollte den Baron als Liebhaber gewinnen. Sie war intrigant und meinte, sie  gehöre eher ins Schloss als gemeine Magd zu sein. Es entstanden eheliche Zwiste in der Familie des Barons, die dazu führten, dass die Frau mit den Kindern nach dem im Niederdorf gelegenen Dittrich-Hof zog. Nun hatte Veronika erreicht, was sie wollte. Erst mal soweit gekommen, benützte sie ihre Macht, um allerhand Schandtaten zu verüben. In jeder Weise schikanierte und betrog sie das Gesinde und die Bauern. Sie gab dem Gesinde nicht das ihm zustehende Deputat, nicht den verdienten Lohn, ließ die Bauern mehr Hand- und Spanndienste leisten, als sie verpflichtet waren, schlug bei den geringsten Anlässen unbarmherzig auf die Leute ein und wirtschaftete vor allen Dingen viel in ihre eigenen Taschen. Lange jedoch währte dieses tolle Treiben nicht, ein früher Tod machte ihr den Garaus. Ihre Seele konnte zur Strafe für die verübten Schandtaten keine Ruhe finden, sie ging um. In den Ställen machte sie das Vieh wild, so dass  es sich von den Ketten los riss, wild durcheinanderlief  und hinschlug. In die Feueressen kroch sie und blies den Leuten das Feuer aus. Im Dachgeschoß des Schlosses wohnten vor vielen Jahren zwei Diener, die manchmal recht späht heimkehrten. Einst, als sie wieder einmal zur Geisterstunde ihr Zimmer aufsuchten, bemerkten sie einen Lichtschein durch einen Türritz. Neugierig, wer zu dieser Zeit in Ihrer Stube etwas zu suchen habe und zugleich beklommen, öffnete er ein kleinwenig die Tür und gewahrte darin  die Verone ihr schönes langes blondes Haar vor dem Spiegel kämmend. Der andere, der jeder Zeit zu lustigen dummen Streichen aufgelegt war, rief der Geistergestalt, um sie zu necken, zu: “V’rone, du konnst  m’r  aach amool de Looda kämma. “ Kaum war das Wort  heraus, da drehte sich die Verone um und will die beiden fassen, die entsetzt die Treppe hinunter rennen. Eine wilde Jagd ist es die  durch das Schloss ging In Ihrer Angst rennen die beiden in den Pferdestall, und verstecken sich unter den Futterkrippen. Da rief die Verone; "Wärt Ihr nicht zwischen Stahl und Eisen, so wollte ich es Euch beweisen! Die Knechte wussten ,dass man vor Geistern sicher ist, wenn man sich zwischen Stahl und Eisen befindet. - Niemand hat gesehen, wohin der Geist gegangen ist. Punkt eins war er von der Stalltür verschwunden. Ein Schaffer, der auf dem Hofe diente, nahm sich ein Herz und beschloss, diesem Unwesen ein Ende zu bereiten. Als er einmal merkte, dass der Geist in der Esse sei, stieg er schnell auf das Dach und zog einen Ledersack über die Schornsteinöffnung. Nach dem der Geist  das Feuer ausgelöscht hatte, wollte er wieder auf demselben Wege, auf dem er gekommen war, heraus und geriet in den Sack, den der Schaffer schnell zuband und hinunterwarf. Auf einen Wagen geladen, machte er sich so schwer, dass sechs starke Ochsen davor gespannt werden mussten, die den unruhigen Geist nach dem Romhübel fuhren, wo er tief vergraben wurde. Um die Grabstätte setzte man noch einen Eisenzaun. Als dieser Zaun einmal eine Lücke aufwies, trieb die. Verone wieder im Schloss ihr Unwesen. Erst als man immer mittags die Glocke auf dem Dach des Schlosses läutete, kehrte Ruhe ein. -Vergaß man später einmal das  Läuten, ging es mit dem Spuk wieder los, immer zwischen zwölf und eins. Es gibt noch so manche Geschichte; und immer, wenn es in Volpersdorf unerklärliche Vorkommnisse gab, meinte man: „Do woar wieder die Hoverone eim Spiel! “-Selbst nach 1945, als polnische Menschen das Schloss bevölkerten, soll es nachts Unruhe und Erscheinungen gegeben haben. Und als man diesen von der Hoverone erzählte, glaubten sie fest an die Existens dieses Geistes. Eine Familie, die im Schloss wohnte, hat aus diesem Grunde Volpersdorf  verlassen. - So bleiben viele Fragen offen. 

Vor langer Zeit, erzählte man auch diese Geschichte von der Hoferone.

Dort, wo heute der  Campingplatz hinter dem Dominium liegt, soll es umgehen, das heißt mit anderen Worten, es spukt. Man erzählt, dass sich in dem kleinen Waldstreifen, der sich  am Campingplatz entlang zieht eine tiefe Mulde befindet, in der die Hoferone ihre nicht gewollten Kinder begraben haben soll. Diese würden sich um Mitternacht durch Weinen bemerkbar machen, weil sie nicht christlich beerdigt wurden.

Vor langer Zeit soll es auch ein Sühnebildnis in der Buchenallee an einer Buche gegeben haben. Auch hier soll man des Nachts die Kinder weinen gehört haben. Wer dieses Bild angebracht hat weiß man nicht, auch nicht mehr  was auf diesem Bild zu sehen war. Man meint, es wäre eine Muttergottes gewesen, was man ja auch gut nachvollziehen könnte.

Die Jagd auf dem Rohmhübel

Von Hermann Günzel

Im Eulengebirge hat sich in den letzten Jahren das Muffelwild stark vermehrt . Allein auf der Grafschafter Seite wurde ein Bestand von reichlich 500 Tieren festgestellt, die im Winter auch bejagd werden. Mein Bruder Alois hegte schon seit längerer Zeit den Wunsch, die Trophäe eines Muffelwildes aus unserer Heimat, an seiner Wand zu sehen. So reisten wir,er und ich als Jagdbegleiter im Dezember 1993 auf Mufflonjagd ins Eulengebirge. Von der Falkenberger Försterei aus, wo wir untergebracht waren, ging die Fahrt mit dem Jagdführer ins Revier. Es war herrliches Winterwetter, die Berge tiefverschneit, die Sonne strahlte vom blauen Himmel auf den märchenhaft glitzernden Wald .Als wir von der Volpersdorfer Försterei aus dem Weg unterhalb des Rohmhübels ( ein 741 Meter hoher Berg in der Volpersdorfer Gemarkung ) entlang fuhren, sahen wir in etwa 200 Meter entfernung oben am Berg dunkle Flecken zwischen den Bäumen. Ein Rudel Mufflons musste es sein.Der Jagdführer und mein Bruder pirschten sich, durch große Bäume gedeckt, bis auf etwa 120 Meter an das Rudel heran und machten dabei einen starken Widder aus. Als dieser sich hinter einem Baum hervorschob, so das der Vorderkörper und Haupt frei waren, legte mein Bruder die Büchse an und drückte ab.Als der Schuß verhallt war, meinte mein Bruder, er sei gut abgekommen, habe also getroffen.Und nun stapften wir im tiefen Schnee bis zur Anschußstelle. Da lag auch das gestreckte Tier. Aber –und nun war die Enttäuschung groß- es hatte keine Hörner; war demnach ein weibliches Tier, ein Schaf. Der Jagdführer und mein Bruder waren sich absolut sicher, dass sie mit ihren Ferngläsern einen Widder ausgemacht hatten. Und nun lag ein Schaf da! Dies konnte doch nicht war sein!! Aber, etwa 2 Meter höher bemerkten  wir Schweiß (Blutstropfen) der nicht vom Schaf stammen konnte. Wir gingen der Spur nach und fanden etwa 10 Meter höher hinter einem Baum den toten Widder. Was war also geschehen?- Beim Schuß hatte unmittelbar hinter dem Widder das Schaf gestanden, unsichtbar für den Jäger. Das Geschoß hatte den Körper durchschlagen und war in das Schaf eingedrungen, das dann im Anschuß tot umfiel. Der Widder hatte noch einige Sprünge nach oben gemacht, bevor auch er tot in den Schnee sank.Das war ein einmaliges, seltsames Geschehen. Weil sich dies auf dem Rohmhübel zutrug, hätte man auf den Gedanken kommen können, die Hofe-Verone müsste hier ihre Hand im Spiel gehabt haben. Aber es handelte sich wohl um einen , wenn auch seltenen Zufall, wobei  mit einem Schuß zwei Tiere fielen.

Ein Streich der Hofe-Verone?OderDie Mufflonjagd. Ein Jäger wollt ein Mufflon jagengesagt, getan ganz ohne zagen.Im weißverschneiten Fichtenwald,die Luft war eisig, bitterkalt.Da!! Ein Widder, stark und schön,der blieb vor seinem Weibchen stehn.Da legt der grüne Jägersmann,der gut versteckt im dunklen Tann,die Büchse, auf das Mufflon an.Es knallt sehr laut,der Jäger schaut,zu seinem toten Widder hin,doch nein, es war ne Widderin.Oh Weidmannsheil, mich narrt ein Spuk.!!Was ist das für ein böser Trug??Ein wenig weiter, oberhalb,da liegt der Widder tot und kalt.Es flog die Kugel durch sein Herz,und traf sein Weibchen hinterwärts.Der Berg, auf dem dies so geschah,der Rohmhübel, mit Grab der Veronika.Bei ihren Streichen, fies und gemein,könnte sie wohl verantwortlich sein. 

                                                                               I. R.

Eine Legende von der Quingenburg.

In der Nähe des Dorfes Volpersdorf, auf dem Quingeberg, soll einst eine Burg gestanden haben, in welcher wilde Raubritter hausten. Diese hatten viele Schätze zusammengeschleppt und in den Kellern der Burg vergraben. Eine reine Jungfrau, die in der Christnacht danach sucht und eine angezündete, geweihte Kerze in der Hand trägt, kann die Eingangspforte zu dem verfallenen Burgkeller öffnen und nach Herzenslust Gold und Edelsteine zusammenraffen.

 

Ein Ölbaum in Volpersdorf

In der Nähe der Volpersdorfer Schule, in dem Garten des Stellenbesitzers Paul Wunsch, steht ein merkwürdiger Baum der im Volksmunde als Ölbaum bezeichnet wird. Über den Ursprung des Baumes, der heute eine Höhe von zehn Metern bei einem Umfang von 75 cm (in Brusthöhe gemessen) hat, erhalten wir folgende Zuschrift: Gegen das Jahr 1860 kam ein Franziskanermönch Phillip Gersch nach Volpersdorf und übernachtete in der sogenannten Schölzerschmiede. Er brachte seinem Gastgeber eine unscheinbare Wurzel mit, die er aus dem Ölgarten, indem unser Erlöser sein bitteres Leiden begonnen hat, entnommen hatte. Der Meister Welzel grub die Wurzel in den kleinen Garten vor seinem Hause ein und erwartete wohl nicht, daß die Selbe ein Auferstehen feiern würde. Doch, o Wunder, im nächsten Jahre kam ein Zweig mit wohlriechenden Blättern hervor, der sich von Jahr zu Jahr vergrößerte und sich zu einem hohen schlanken Baum entwickelte, der bald das Dach des Wohnhauses überragte. Der spätere Besitzer ließ den Baum, dessen Wert er weniger schätzte, umhauen. Damit war der Ölbaum aber nicht zufrieden. Er hatte in den Jahren seines Wachstums Zeit gehabt, seine Wurzeln unter der Erde zu verbreiten und ein neuer Baum, kaum zwanzig bis dreißig Schritt von dem Ersten entfernt, entstand. Derselbe steht heute noch und sendet sein kräftiges Aroma im Frühjahr, besonders wenn Regen ihn erquickt hat, allen, die hier vorüberkommen oder hier wohnen.

Auszug aus den Neuroder Heimatblättern von 1924

Die Geschichte der Volpersdorfer Schölzereikapelle

Es ist schon lange her, da gab es in Volpersdorf noch eine Schölzerei (Schulzenhof.) Der Dorfschulze war so eine Art von Bürgermeister mit Gerichtsbarkeit. Dort stand eine junge fromme und tüchtige Magd in Diensten. Ihr Elternhaus war in Ebersdorf nicht sehr weit von Volpersdorf entfernt, so dass Sie jeden Abend, nach getaner Arbeit nach Hause ging. In der Schölzerei, gab es viele Mägde und Knechte und darunter auch einen rechten Spaßvogel und Tunichtgut. Eines  Abends, es war schon dunkel, als die junge Magd wieder einmal dem Elternhaus zu strebte, da hatte er sich einen ganz besonderen Streich ausgedacht. Er zog sich einen weißen Mehlsack über und lauerte dem Mädchen hinter einem Busche auf. Als sie vorüberging stürzte er mit fürchterlichem Gebrüll vor sie hin. Die Magd voller Entsetzen, griff nach ihrem Holzprügel, den sie für alle Eventualitäten bei sich trug, denn man wusste ja nie, was so alles auf  dem Wege passieren mochte. Sie befahl sich Gott und wollte dem vermeintlichen Geist zeigen wie es ist, wenn man einem jungen unschuldigen Mädchen zu nahe tritt. Mit der ganzen Kraft ihrer Jugend, schlug sie immer wieder auf den Geist ein, bis er sich nicht mehr rührte. Dann rannte sie so schnell sie konnte ihrem Elternhause zu. Am anderen Morgen in der Schölzerei angekommen, gab es große Aufregung. Einer der Knechte, hatte auf dem Wege zur Arbeit einen Mehlsack gefunden völlig mit Blut besudelt. Als er zitternd und bebend hineinsah, erkannte er kaum seinen Arbeitsgefährten, der wie er Knecht auf dem Hofe war. Jetzt erzählte die Magd ihrem Herrn, was sich auf ihrem Nachhausewege zugetragen hatte. Der unglückliche Knecht, hatte durch einen dummen Streich ein so grausames Ende gefunden. Später baute man zur Erinnerung und zur Sühne die Schölzelkapelle einen großen Bildstock der noch lange in Volpersdorf zu sehen war.

                                                                                                              I. Reimann

                                                                  Vergebliche Miehe

Wenn die kläne Friedel eim Goarta spielt, taucht aach  glei ihr klänes Katzla uuf, doas asu lange em ihre Bäne schmeichelt, bes sie es off die Arme nemmt an strächelt. On dann schnorrt da oallerliebste Daudel on dreckt sänn Koop ganz feste a die Friedel droa. A Igel dar verstackt onder ämm Sträuchla setzt, siehtt dam Spiele zu, on es gefällt ihm. Off ämol kemmt do bei ihm a heftiges Verlanga noch selcher Zärtlichkät uuf. Ar troapst ieber a Roasa hie zor Friedel on versucht genau wie doas Katzla, siech bei iharn Bänn bemerkboar zo macha. Wie doas oaber piekst on stecht, sprengt die Friedel erschrocka zore dan klänn Kalle ganz ganne, oaber berieharn oder off a Orm nahma, nä, doas tutt se nee. Asu trottet onser Igel enttäuscht wieder zo a Sträucharn zorecke on lett siech lange nemme sahn.-War stachlich ies, koann äben off bestemmte Zärtlichkäta nee hoffa!

                                                                                                          Hermann Günzel

 

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