Geschichten

 

            K a l l e  *
Wer war Kalle? Eine Grafschafter Type möchte ich sagen. War, - Kalle ist nicht mehr. Ein Treuer weniger! Weniger, - mehr und mehr. Tausendfach werden es weniger Kalle. Kalle ist eine Reflexion. Als ich ihn kennen lernte verband uns nur das Eine, die Vertreibung aus der Grafschaft Glatz. Ohne zu wissen, daß wir in der gleichen Schule untergebracht worden waren, in die wir später zusammen gingen und eine Zeit lang nebeneinander saßen, und unsere Herkunft verteidigen mußten. Unsere Heimatdörfer lagen nur wenige Kilometer auseinander. Wir sind unserer Herkunft treu geblieben, obwohl sich die beruflichen Wege trennten.
Nun, warum Kalle? „Kalle!“ war sein erster Ruf nach mir, mit dem er mich aus dem einen Zimmer, was wir hatten, lockte. Fußballspielen, schwimmen,  und eben zusammen in die Schule gehen. Aus den Augen haben wir uns nicht verloren. Die heimatliche Verbindung brach immer wieder durch. Die ersten Heimreisen waren möglich, und Kalle war dabei. Gemeinsam haben wir die Heimat aufgesucht, Erinnerungen ausgetauscht, festgestellt das auch ich sah wie die über 70 Bergleute von den Russen durch unser Dorf getrieben wurden, und ein großer Teil davon aus Russland nicht zurückkehrte. Darunter auch sein Vater. –
Gewiß kennen oder kannten wir alle einen Kalle, an den wir bei dieser Ge-schichte denken.Ganz sicher ist auch manches heimattreue „Marila“ dabei, wo es sich lohnt ihre Lebensgeschichte weiter zu erzählen. Sie sind ein Stück des Lebens mit uns gegangen, hatten ihr eigenes Schicksal daß uns berührte, und waren Heimattreue Gefährten.
 
Erhard Gertler
 
Kalle = Kerl. Liebevoll sagten wir oft bei einer Begrüßung: „Na, Kalle!“
 
 
 
Die verkoarschelte Goarkasoaloate
Maxe  woar nooch a jonges Perschla, lediech, fiedel on noigierich off oalls woas  oageboota wurde. Es woar die Zeit, die mer hoite „a Aufschwung“ nenna. Gedoarbt hoatt ar genunke, ver der Währongsreform.  Etza goabs woas zo assa, zo sahn, on zo derlaaba. Reisen woar Mode! Eesterreich hoatte die Graanza uufgemacht, on oalls sterzte hie! Maxe wullde natierliech a datt sein! Salzburg hoatte ar siech ausgesucht! Och, wie offte hoatte ar gesonga: „ Was kann der Siegesmund dafür das er so schön ist?... “ On doo derbeine doochta oa siech! – Viel lieber nooch soang ar: „ Salzburger Nockerln! Salzburger Nockerln! Süß wie die Liebe und süß wie ein Kuß!....“ Nockerln doocht ar, doaß sein ääne Oart Kließlan, vleicht Pflauma-, Kärschakließlan, oder asu woas ähnlieches, jedenfoalls, sisse. Denn assa toat ar ganne, nee blooß Kließlan, a Gemiese, wie zom Beispiel „Goarkasolaote“. Wie doas halt asu ies, ääne Rääse macht doarschtiech on a hongriech! Maxe woar Salzburg oalle soat, ar hoatte Honger! Spaorsoam wie ar woar, suchte ar nooch ämm Goasthause woas nee asu eim Mettelponkte loach. Datt woarsch belljer, doas woaßt ar. Ar foand ääs, sogoar nobel!!! Met Kellner eim Frack, on eim Aushange woarsch gaor nee asu toier! Also nischt wie nei! Wie ar doo asu allääne oam Tesche soaß, soach ar asu änn decka Moan met seiner Frau oam Nabatesche. A Amerikaner, wie dar salber sääte: „ We Ämmärrikäns!!“ hooart a blooßiech. Dar oaber oaß Schnitzel, Bunn, on  „G o a r k a soaloate!!“  Kääne Soalzburger Nockerl . Es woar vleicht Juni, es goab die Goarka nooch nee asu wie hoite doas ganze Joahr! Die Goarkasoaloate stiech Maxan ei die Noase, on doas Woasser lief em ein Maule zosoamma. Ei daam Momente koam der Kellner eim Frack: „Sie wünschen der Herr!“ Maxe woar ganz verdattert, Wonsch on Wärkliechkäät koama doarcheinander on ar sääte: „ Salzburger Nockerln, mit Gurkensalat!!“ Der Kellner soach  Maxan ganz mettläädiech oa, on sääte heefliech: „ Schaun’s gnädger Herr, Soalzburger Nockerln und Gurkensoaloat, des paoßt net! Soalzburger Nockerln, des iss a Süßspeiß! Nehms die Nockerln un vielleicht danach a Melange*, des is besser, gnädger Herr!“ Maxe soach verschaamt oa siech nonder, doochte,  nä, doo sein  woll met dir  die Pfarde doarchgeanga,  on neckte blooß.
Jedesmaol, wenn ar Melodien aus der Operette „ Saison in Salzburg,“ häärt denkt ar os die verkoarschelte Goarkasoatloate.
 
                          *Kaffee-Milchgetränk
Erhard Gertler
 
 
 
Das Osterei
 
Martha, die Magd auf dem Lindenhof, stand am Ostermorgen vor dem kleinen Spiegel in ihrer Kammer und flocht ihre Haare. Nur mit Mühe konnte sie die blonde Fülle in zwei langen Zöpfen bändigen. Durch das Fenster sah sie, wie Olga, die Tochter ihrer Bauersleute, im Blumengarten suchte. In der Buchsbaumhecke fand sie ein volles Osternest und beim Rosenbusch ein zweites. Sie suchte aber immer noch weiter und ging auch in den Laubengarten hinüber, ohne aber etwas zu finden, wiewohl sie dort jede Ecke durchstöberte. Ehe Martha zum Gesangbuch griff, um zum Festgottesdienst zu gehen, eilte sie rasch in das Brunnengärtlein, um sich einen Strauß Osterblumen für ihr Kämmerlein zu pflücken. Da sah sie in der Fliederhecke ein Nest aus weichem Heu. Darin lag ein rotes Osterei mit einem blauen Bande. „Das gilt doch mir!" schoß es Martha durch den Kopf und eine Glutwelle flutete ihr über die Wangen. Also hatte sie vorgestern beim Krämer doch recht gehört. Da war der jüngste Sohn des Nachbarbauern, der Oswald, gerade beim Bezahlen gewesen als sie den Laden betrat. „Das rote Osterei," hatte sie ihn noch sagen hören,„das mit der blauen Schleife, ist für Hermann, unseren Großknecht und das goldene für meinen Bruder Wilhelm." „Schau einer den Hermann an!" ging es Martha durch den Sinn. „Getraut sich kaum ein Wörtlein mit mir zu reden an eine Zärtlichkeit gar nicht zu denken, aber ein Osterei legt er mir ins Nest. Ei! Ei!" Leichtfüßig eilte die Magd mit ihrem Fund in ihre Kammer. Mit gespannter Neugier löste sie die blaue Schleife. Als sie die Hälften des Eies auseinanderklappte, blitzte ihr ein zierliches Ringlein mit einem funkelnden Steine entgegen. „Ach wie schön! Ach wie schön!" jubelte das Mädchen entzückt und klatschte die Hände ineinander. „Schau einer den Hermann an! So ein lieber kleiner Duckmäuser! Schenkt mir solch einen feinen Ring! Und wie er paßt! Wie angegossen!"  Martha konnte es heute gar nicht erwarten, daß der Tag zur Neige ging. Kaum hatte sie den letzten Handgriff der Abendarbeit verrichtet, da eilte sie in ihr Kämmerchen, legte nochmals ihren Feiertagsstaat an, nestelte ihre Haare zurecht, schob den Ring an den Finger und schlich heimlich zur Schlehdornhecke, die vom Nachbarhofe zum Oberdorf führte. Sie wußte, das Hermann immer an dieser Hecke lang seinen Weg nahm, wenn er nach Feierabend sein Mütterchen besuchen ging. Das Mädchen hatte kaum die Dornenbüsche erreicht, da sah es Hermann aus dem Nachbarhof treten. Martha hielt ihm die Hand mit dem blitzenden Ring dicht vor die Augen und jubelte,
„Schön ist er! Schön! und schon schlang es die Arme um seinen Hals. Hermann, der überhaupt nicht wußte, wie ihm geschah, war ebenso verlegen wie überrascht. Wie sollte er ahnen, daß Martha am Morgen in einem Nest ein Ei mit einem goldenen Ring gefunden hatte und nun glaubte, er habe ihr diese Ostergabe beschert. Aber trotz aller Verwunderung dachte er jetzt natürlich nicht daran, sich das junge blühende Mädel vom Halse zu schütteln. Das brachte selbst ein so scheuer und zurückhaltender Mann wie er einer war nicht fertig. Im Gegenteil! Zaghaft zwar zunächst, aber dafür dann umso fester hielt er das Glück, das ihm so unvermutet in die Arme geflogen war, umfangen und gab es auch so leicht nicht wieder frei. Von der entgegengesetzten Seite schritt dieselbe Schlehenhecke entlang ein anderes Pärchen: Wilhelm und Olga, die beiden benachbarten Bauernkinder. Mit List und Schläue kam die Tochter des Lindenhofes bald dahinter, daß der junge Nachbar ihr ein Osterei mit einem Ringlein während der letzten Nacht in die Fliederhecke des Brunnengärtleins geschmuggelt hatte. Sie hatte am Nachmittag dann auch noch das Nest gefunden  aber leer. Olga stieß nun plötzlich ihren Begleiter an und flüsterte: „Da! Schau! Unser Marthel mit eurem Hermann." „Die sind schon weiter als wir zwei," lachte Wilhelm zurück. „Ihr zwei feiert wohl hier stille Verlobung?" „Das kann wohl sein," gab Martha schlagfertig zurück. „Und schaut: der Verlobungsring ist auch schon da." Dabei hielt sie die Hand mit dem Goldreif in das Mondenlicht. Olga erhielt durch unaufällige Zeichen von ihrem Partner die Bestätigung; „Das ist der Ring!" Nachdem noch eine lange Weile ein heiteres Worlgeplänkel hinund hergeflogen war, wurde Wilhelm plötzlich ernst und sagte: „Hermann, ich glaube, daß es nun Zeit wird, daß Du Dich nach einer eigenen Scholle umschaust. Wenn ich recht gehört habe, sucht der alte Hielscher einen zuverlässigen Käufer für seinen Hof." „Aber, Wilhelm, wo nehme ich das Geld her?" „Ja, glaubst Du denn, daß mein Vater seinen tüchtigen Hermann im Stich lassen wird?" Und Olga pflichtete sofort bei: „Auch der Lindenhof wird seiner braven Martha helfen so weit es möglich ist." Übermütig fuhr sie dann fort: „Martha, aber eine Entschädigung verlange ich für..." Beinahe hätte sie sich wegen des Ringes verplappert. Und Martha fragte auch schon verwundert zurück: „Entschädigung? Wofür? Doch Olga faßte sich nach kurzer Verlegenheil schnell und lachte: „Weil..., ja, weil du mir mit der Verlobung zuvorgekommen bist! Und dafür verlange ich als Entschädigung..., aber das brauchen die garstigen Männer nicht zu hören..." Sie nahm Martha einige Schritte beiseite und flüsterte ihr in die Ohren: „Dafür verlange ich als Entschädigung Euren ersten Patenbrief."  Da nun Hermann tatsächlich kurze Zeit später den Hielscherhof übernahm und eine tüchtigere und umsichtigere Bäuerin nie hätte finden können, führte er wenig Monate nur später Martha glückstrahlend zum Traualtar. Am Hochzeitstage plauderte Oswald endlich aus, daß er die beiden Ostereier, die er für Hermann und seinen Bruder gekauft hatte, auf dem Heimwege verwechselt hatte. Erst jetzt erfuhr Martha, das Hermann mit dem Osterei seiner Mutter eine Freude bereitet hatte und für wen der Ring, den sie in der Fliederhecke gefunden hatte, in Wahrheit bestimmt gewesen war. „Trag diesen Reif,“ sprach Olga zu der Braut, der diese Offenbarung große Verlegenheit bereitete, „Als Symbol dafür, daß wir vier, Dein Hermann, Du, mein Wilhelm und ich, immer und ewig gute Freundschaft halten wollen!“
                                                                                                                        Alfred Tost
 
 
Doas Nekelsscheffla
Erich Linde-nach Paul Keller

Oalle Joahre koam der Nekels zu Ignatzan, daam Siehnla vom reicha Meller. Zo mir oaber koam ar ieberhaupt ne. Oam Tage nooch'm Nekels-Omde zeichte mer Ignatz dann emmer doas schiene Zeug, woas em der guude Moan gebroacht hoatte. Weil, oan meine kluuche Tante mer amool gesäät hoatte, doaß de der Nekels ons verlächte iebersahn tät, weil mer eiem klänn aala Häusla laba, ließ iech mer doas vom Nekels a ganz poar Joahre gefoalla. Etz woar iech oaber zahn Jahre aalt oan hoatt' mer viergenumma, daam Nekels a Stekke ei de Kehne zo giehn oan eh'ar ei Mellersch Haus geng, uuf onser Häusla zo zeija. Wie Ignatz sääte, kääm dar guuda Moan emma ooms hoalb achte. Der 6. Dezember woar gekomma, oan iech woar emma hoalb achte draußa. „Herr Nikolaus", wullt iech sään, „Herr Nikolaus, bitte schön, ich wohne dort drüben in dem kleinen Hause hinter den Kastanienbäumen. Wenn Sie etwas näher gehen, werden Sie das Haus schon sehen! Ich kann den Katechismus besser als der Müller-Ignatz, und bei der Schulprüfung habe ich sogar eine Belobigung gekriegt und der nicht!" Asu wullde iech oall's sään. Lange hoa iech mer doas oall's ieberleet oan kunnde meine Rede ganz auswendich. - Oaber 's woar halt aäne vo daan schinn Reda, die de ne gehaala warn! Denn wie der Nekels koam a gruußer Moan met em langa, welda Boarte, met em zottlicha Pelzmantel oan met em Struuhsääle oan ääner Keete drieber em a Bauch, do rutscht' mer's Hazze ei de Hosa. Hender daam Zaune, wu iech miech erscht amool verstackt hoatte, wär' iech ver Angst baale gestoarba, wie ar verbeigeng. Erscht, wie ar weit genuck fatt woar, kriecht' iech meine Courage wieder oan plääkte henderhar: „Herr Niklas, Herr Niklas, ich wohne dort, dort drüben ei daam klänn Häusla hender daam  Kastanienbame! Der Nekels drehte siech ne amool em oan geng ei de Miehle nei, zo Ignatzan. Iech zetterte oam ganza Leibe, oan's trieb mersch 's Woasser ei de Aacha. Heuer war iech halt wieder amool nischt krieja. Weil, oan der Nekels hoatte ääne decke Metze ieber de Oahr'n gezaän, ward ar wull nischt vo meinem Anoochplääka gehärt hoan. Doas  rnet'm Katechismus oan dar Belobigung hoatt iech wääger daam Schrecke asugoar vergassa. Wie iech daan Omd eim Bette loach, kunnt iech erscht ne eischlofa. Iech doocht mer, doaß iech ei memm ganza Laaba ne wieder war fruh sein kenna. Eim Traame oaber kriecht iech vom Nekels zwee Bleisoldoata geschankt, enn ruta oan enn blooa. A andan Tag hoatte Ignatz wieder doas viele schiene Zeug ei de Schule mietegebroacht,   woas'   m  der  Nekels  gebroocht hoatte. Erscht wullt iech mer doas goar ne oasahn. Wie ar mer oaber a schienes kläänes Holzscheffla zeigte, woas de sogoar enn Mast oan zwee Segel hoatte, oan enn klenn eiserna Anker oan vanna, oa der Seite a nooch der Noame „St. Niklas" droa stoan, do kunnt iech miech nemme genuck zosoammareißa. Iech wäß heute nooch, wie iech menn Koop uuf de Schulbänke leete oan elendichlich luusflärrte. De andan Kender lachta erscht ieber miech, dann redt'a se uuf miech ei oan zoletzte hullte ääner a Lehrer, dar de nooch ei seiner Schulwohnung soaß. Wie dar koam, härte iech uuf zo plärr'n. Oaber vo memm Schmerze hoa iech'm nischt gesäät. Uuf ämool packte miech äne gruuße Wut uuf Ignatzan. Deswäger zeigte iech'm a ne meine ferticha Rechenuufgoaba zom Oabschreiba. Weil ar, oan ar hoatte nischt rechtich gerechnet, kriecht' ar vom Lehrer a poare gelangt. Dodrieber hoa iech miech gefräät oan doocht' mer, doas hoot ar etz dervoo. Do hätt doch der Nekels etz amool zom Fanster reigucka kenna, do hätt ar doch daan Ignatz zerknerscht met semm foalscha Rechnan gesahn. Doderzu miech, wie iech met menn rechtija Rechenuufgoaba stolz ei meiner Schulbanke soaß. Iech kriechte a kä schlecht' Gewessa, weil iech nää gesäät hoatte, wie miech Ignatz uuf häämzu gebaata hoatte, nochmetz miet'm sei schienes Scheffla ei der Miehlbaache schwemma zo loon. Oan ubadruuf macht' iech goar nooch ääne Feindschoaft der Aala zo ääner Feindschoaft der Kender. Iech toat'm vierhala, doaß mer ju ieberhaupt verfeindet wär'n, weil de sei Voater wäger'm Bronne met memm Gruußvoater änn Prozeß gemacht hoatte oan mei Gruußvoater onscholdig oall's hoot bezoahla missa. O, iech woar woll uuf m besta Wääge, a schlechter Kalle zo war'n. Zwee Wocha genga ei's Land. Der Ignatz kriechte emmer efter Schnicke ei der Schule. Ne blooß, weil ar ne gutt rechnan kunnde, a beim Lasa oan Schreiba hoot ar nemme rechtich mietgekonnt, wie der Lehrer määnte. Dar oaber merkte nischt dervoo, doaß iech derhender stackte, weil iech'm ju nemme geholfa hoa. Oaber meine Frääde ieber de Schnicke, die de dar Ignatz kriechte, wuur emmer klääner. Se woar lange nemme asu gruuß wie die vom 7. Dezember! 's woar der 20. Dezember, wie Ignatz nooch der Schule uuf häämzu zu mer koam oan freete: „Kemmst'n heute miete Schefflafoahr'n?" - Nooch heute sah' iech seine bittenda brauna Aacha ei semm ruta, robusta Gesechte ver mer. 'n Funka Frääde kunnt iech drenne sah'n, weil ar oan doochte, doaß iech verlächte mietmacha wellde. 'n Aachableck doocht iech mer, doas kunnde verlächte ganz schien sein! -Oaber nää, mei Groll woar stärker, oan iech sääte: „Na gell, doaß iech diech vo manne oab wieder oabschreiba loon sool, nää, iech war miech hitta!" Iech drehte miech emm oan geng allääne wätter. - War hätte zo dar Zeit denka kenna, doaß iech dodermiete ääne schwäre Schold uuf miech geloada hoatte?" Ooms, korz ver'm Fensterwar'n, soach iech, wie de Mellern pläkert ieber a Hof rannte. Der Meller oan de Dienstbota henderhar. Sogoar de aale, loahme Meller-Gruußmutter hompelte bis ver'sch Tor. Glei druuf broochte der stoarke Mellerknecht Ignatzan oageträän. Dar hoatte alläne met semm Scheffla spiela wella oan ies derbei ei de eisekaale Miehlbaache gestärzt! Ei mer drenne woar erseht amool oall's wie gelähmt, erschrocka woar iech. Vo ääner Schoadafrääde woar nischt zu spian, oan iech doochte, woas de etz woll war'n wird. Fenster wuursch ei der Stube, oan emmer fensterer oan kaäs machte de Loampe oa. 'S Hazze schluch mer bes zom Hoalse. Oalle woar'n se stelle. Der Gruußvoater sääte nischt, de Tante a ne, oan's blieb wätter fenster ei der Stube. Draußa geng uuf ämool a stoarker Wend luus, dar de zom Storme wuur. Iech hoatte Angst. Met memm Ritschla rockte iech ei de Uufahelle nei. Do wuur onser Hund biese, weil iech'm senn Ploatze wegnoahm Draußa rompelte Mellersch Kotsche met zwee Loaterna droa verbei. „Etz hoan se a Dokter gehullt!", sääte der Gruußvoater. ,,Ma wääß, ma wääß", sääte de Tante. Miech packte woas oa der Gorjel, oan iech broochte nischt raus, wie iech de Tante freen wullde, woas se gemäänt hoatte miet „ma wääß, ma wääß", oan oab de doas etwan hääßa soll, doaß de Ignatz ward sterba missa! Onser Häusla wuur mer zo enge. Iech schliech miech naus oan rannte nieber zom Mellerhause. Ääne Weile stoan iech ver der Tiere, oan mer woar kalt. Wie de ääne Määd rauskoam, freet iech se, woas met Ignatzan ies. Se säät mer, doaß der Dokter nischt versprecha kunnde, weil der Ignatz met offna Aacha doliega tat, oaber nischt häärn oan ne reda kunnde. Langsam kehrt iech em, lahnte miech oa Meller'sch Goartamauer, geng dann uuf onser Häusla zu, satzte miech uuf ons're Tierschwelle oan guckte emmerfatt uuf de hella Fanster vom Mellerhause. Asu foand miech meine Tante, hullte miech rei oan broocht miech ei's Bette. Iech foand kääne Ruhe, weil oan mer geng der MellerIgnatz ne aus'm Koppe. Ar hoatte de Aacha offe! Wenn'm die blooß ne zufoalla mechta, da braucht ar verlächte a ne zo sterba! Eim Traame hielt iech'm de Aachadeckel met menn Fengarn offe. War iech blooß miet'm geganga, do war ar a ne ei's Woasser gestärzt. Ei meiner gruußa Angst hoa iech sugoar zom heilja Nekels gebatt, daam äänziga Heilija, daan iech ne leida koan, weil ar miech emmer vergassa hoatte. Heiliger Nikolaus, flehte iech, doas woar schon rechtich, doaß der mer nischt gebrooeht host, weil iech doch asu schlecht bien. Ieber Ignatzan oaber mech'ste diech dooeh derbarma, dar ies doch emmer gutt gewaast, oan dar seilt' doch laba blein oan wieder gesond war'n! Drei Tage vergenga, emmer wieder hoatt' iech de Määd vom Meller uufgelauert. „Ju", säät se emmer, „der Ignatz hoot emmer nooch de Aacha offe, deswäger ward ar schon wieder gesond war'n!" Asu hoot se miech emmer treesta wella. Oaber de Angst, doaß Ignatzans Aacha doch zufoalla kennda, blieb bei mer. Iech kunnde ne verstieh'n, warom ääs de Aacha offe hoan koan oan doch nischt sitt. Deswäger freet' iech meine kluuche Tante. Die ieberleete awing oan sääte: „Der Ignatz hoot etz groade kääne Seele!" - Doas woar oam 23. Dezem­ber gewaast. Etz moßt iech emmerfatt droa denka, doaß de der Ignatz ohne Seele doo-liega moßte. Wu kennt'n de Seele etz sein? -Doch ne eim Himmel, weil oan der Ignatz wo­ar ju nooch netut! Weil iech ei der Nacht zom 24. Dezember wieder nee schloofa kunnde, fiel mer ei, doaß de Ignatzan verlächt de Seele aus der Gusche geflään sein kennde, wie ar ei's kaale Woasser gestärzt woar. Mit emm Ruck soaß iech eim Bette. Mer woar kaalt, oan dooeh lief mer der Schwääß iebersch Gesechte. Ignatzans Seele ei der Baache dersoffa, oh Gott!!! 's erschte Mool ei memm Laba haart iech vom Kärchtoarme de Metternachtsstunde schloon. Hoalb drehnich eim Koppe lahnt' iech miech zorrecke oan schlief ei. Dann hoatt' iech oaber dooch nooch enn trestlicha Traam: Doas Scheffla vom Nekels woar ju a ei der Baache! Verlächt hoot siech Ignatzans Seele droagehanga oan wuur doch noch gerettet! Oam 24. Dezember poaßt iech wieder uuf, doaß iech vom Meller de Määd traffa kunnde. „Hoot Ignatz de Aacha nooch offe?", freet iech. „Nää", säät se, „seit gestarn Omd hoot ar se zu!" „Ies a gestoarba?"Bis etz nooch nee", määnt se oan geng wätter. Miech packte wieder ääne gruuße Angst, oan iech beldt'e mer ei, doaß iech Ignatzans Seele sucha mißte!  Iech rannte zor Miehlbaache. Datt, bei der gruußa Esche, ies ar neigestärzt. Datt muß iech zoerschte sucha. Ieber Nacht woarsch nooch kälder gewoarn. Uuf der Baache woar schon a dennes Eis. Wu sullt' iech'n etz de Seele sucha?  Iech geng a Stecke de Baache nonder. Emmerfatt soach iech Ignatzan mit zua Aacha ver mer liega  oalls toat mer wieh, bei daam Sucha oam Heilja Oomde. Iech geng oan geng, uuf ämool soach iech Ignatzans schienes Scheffla, noohnde oam Uufer, eigefror'n eim Eise der Nacht. St. Niklas stoan nooch droa, aach de weißa Segel woar'n nooch droa. Iech stoarrte druuf! Loach do ne woas Weißes drenne, kennde doas verlächte de verloar'ne Seele sein? Uuf a Kniea rutscht' iech nonder zor Baache, met ääner Hand oam Oaste vo emm Strauche, mej der andan hüllt' iech doas Scheffla aus'm Eise. Iech traut' mer goar ne rechtich neizogucka. Etz hoatt' iech doas Scheffla oan rannte zorecke. Ieber de weißa Felder fuhr a eisiger Wend, oan ieber memm Koppe fluucha a poar schwarze Kroha. Feste drockt' iech's oa meine Brost, iech woar zofriede, oaber dooeh vuul Angst. Wuhie dermiete? Mech zuuch's derekt zom Meller. Kaalt gefroar'n woar'n mer de Hände. Met der rechta hoa iech's Scheffla gehaala, met der linka rieß iech a poar Moole feste oa der Klangel ver Mellersch Haustiere. Laut oan schrelle fuhr doas Geklengle doarch doas tuutastelle Mellerhaus. Met emm biesa Gesechte machte der Meller de Tiere uuf. Ar schempfte ieber doas laute Kliengan. Iech oaber stoan ernste oan feierlich do, wie zom Bata. „Iech breng' Euch Ignatzans Scheffla, verlächt ies seine Seele drenne!", säät iech. Der Meller noahm mer doas Scheffla oab, sääte nischt oan machte de Haustiere zu. 's woar Oomd gewoarn, Heilijer Oomd. De Lichtlan oa onser'm klänn Chrestbäämla woar'n nooch ne oagezendt. Uuf ämool geng de Tiere uuf; der Meller koam nei. „Seid mer ock ne biese, doaß iech oam Heilja Oomd asu plotze zu Euch komm!", säät ar zo ons. „Der Dokter ies groade dogewaast oan hoot siech Ignatzan oagesahn oan määnte, doaß ar oan kennde bestemmt wieder gesond war'n. Doas woar ääne schiene frohe Botschoaft ver ons oalle, oan weil ihr hoatt emmer nooch Ignatzan gefreet, wullt iech euch vo dar gruußa Frääde glei sään!" Oalle ei der Stube woarn freundlich zom Meller. Iech woar ergreffa, oaber sääte nischt. Aach ne, wie ar nooch derzehlte, doaß de Ignatz groade do de Aacha uufgemacht hoatte, wie iech asu laut oa der Haustiere geklengelt hoa. Do derbei, määnte der Meller, hoot ar a senn Verstand wiedergekriecht! Oan oalla ei Mellersch Hause wär'n de Aacha iebergeganga, wie se gehärt hoatta, doaß iech miet'm Scheffla a Ignatzans Seele wiedergebroocht hoan kennde.

 
 
Hersche
 
Wohl in keinem Wörterbuch findet man das Wort Hersche, das ich als Titel für meine kleine Geschichte gewählt habe. Hierbei handelt es sich um einen Namen, den unsere Familie für eine Kuh erfunden hat. Wie der Name, so war auch manches an dieser Kuh außergewöhnlich. So vergleichsweise ihre Hörner, die lang, spitz und leicht nach oben ausladend mit etwas Fantasie an das Geweih eines Hirsches erinnerten. Von dem Wort Hirsch stammt auch die mundartliche Abwandlung Hersche. Wir hatten fünf Kühe in unserem Stall, vier mit einem e am Namensende: Tocke, Nelke, Schecke und eben Hersche; und die fünfte, die jüngste, hieß Muschel- Daß Tiere einen Namen hatten, deutet schon darauf hin, wie eng die Beziehung zwischen Mensch und Tier war. Einen Namen hatten auch unsere Katze, die Minka, und unser Schäferhund, der Rolf Hinzu kamen die zahlreichen namenlosen Tiere, zu denen wir ein recht gutes Verhältnis hatten: die Schweine, Hühner, Gänse und auch 12 Völker Bienen im Bienenstand. Und nicht zu vergessen die etwa 20 Nester mit Rauchschwalben im und am Haus. Wir fünf Kinder und die 'Eltern lebten mit all unseren Tieren ja eng zusammen. Auch die Tiere, vor allem unsere Kühe, hatten ein zutrauliches Verhältnis zu uns. Sie ließen sich gern streicheln, am liebsten am Hals. Dann streckten sie ihren Kopf weit nach vorn. Auch das Putzen mit Striegel und Bürste behagte ihnen. Wenn wir sie auf der Weide riefen, kamen sie gleich. Auch beim Pflügen oder vor den Wagen gespannt, reagierte vor allem die Hersche auf Anruf sicher: Hü bedeutete Gehen, Prr Stehenbleiben, Tschihii nach links Gehen und Hott nach rechts. Wenn die Kühe auf der Wiese weideten und wir riefen „Hoanei", dann gingen sie nach Hause. Die Hersche stand in unserem Kuhstall am ersten Platz. Mein Vater hatte sie als Kalb im Nachbardorf gekauft und groß gezogen. Aus dem Kalb wurde eine Färse und daraus bald auch eine Kuh; denn die Hersche brachte ein Kalb zur Welt. Daß es bei Tieren auch echte Mutterliebe gibt, das konnten wir nun erfahren. Die Hersche leckte ihr Neugeborenes, bis es ganz sauber war; sie säugte es und es durfte ganz dicht bei ihr schlafen. - Nur konnten wir nicht jedes Kalb behalten; d.h., nach einigen Wochen haben wir das Kalb verkauft.   Und nun mussten wir einige Tage (und Nächte) ein schmerzliches Rufen ertragen, bis es die Hersche einsehen musste, dass ihr Kalb nicht wiederkam. Durch intensives Streicheln haben wir damals versucht, sie zu trösten. - Und dieses Spiel wiederholte sich jedes Jahr. Die Hersche unterschied sich in mancherlei Hinsicht von den anderen Kühen. Sie war einfarbig braun mit einem weißen Stirnfleck, die anderen waren alle gescheckt Sie war größer, etwas schlanker, aber kräftiger und robuster als die anderen und bei der Arbeit ausdauernder. Sie gab nicht ganz so viel Milch, aber dafür war der Fettgehalt höher. Die Hersche gehörte rassisch zu dem Grafschafter Gebirgsvieh und darum konnte sie alle von ihr erhofften Erwartungen leicht erfüllen. Wie es bei den Kleinbauern in Waldgrund üblich war, wurden die Kühe auch als Zugtiere genutzt; denn Pferde waren für Betriebe dieser Größenordnung einfach zu teuer. Kühe gaben Milch, brachten Kälber zur Welt, zogen die Ackergeräte und auch Wagen. Alle diese Aufgaben meisterte unsere Hersche meisterhaft. Sie war kräftig genug, um den ganzen Tag den Pflug zu ziehen; das mit einer zweiten Kuh zusammen. Die Hersche ging dann links als „Sattelkuh", hatte also eine „leitende" Funktion. Rechts daneben ging die „Handkuh", die sich unterzuordnen hatte. Und so erledigten wir mit unseren Kühen alle Arbeiten, die auf dem Feld anfielen. Und außerdem wurden wir - und das war gerade in den Kriegsjahren wichtig - immer mit Butter und Milchprodukten gut versorgt So gingen die Jahre dahin. 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Für uns in unserem Gebirgsdorf änderte sich zunächst nicht viel. Alfred musste 1941 Soldat werden, und wir anderen erledigten unsere Arbeiten in der Schule und eben auf unseren Feldern. Daß Deutschland diesen Krieg nicht gewinnen würde, stand für die Waldgründer wohl schon 1940 fest. Vor allem, als es nach Russland ging, wusste man, Hitler würde es wie Napoleon ergehen; und so kam es auch. Die Ostfront rückte immer näher an Schlesien heran. Und im Frühjahr 1945 waren die russischen Truppen bis an den Gebirgsrand vorgestoßen. Die Angst wuchs ständig; Flüchtlinge strömten in unser Dorf, viele zogen in Wagenkolonnen weiter - und wir blieben. In dieser Zeit wurden auch Viehherden in Richtung Westen getrieben. Einmal gingen mein Vater und Alois ins Dorf, wo eine große Kuhherde rastete. Von dort brachten sie eine junge rotbunte Kuh mit, die als Lotte in unserem Stall Platz fand. Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich bedingungslos und am 9. Mai 1945 um 12.30 Uhr betraten russische Soldaten zum ersten Mal unser Haus. Die große Frage war, was nun geschehen würde. Plünderungen, Vergewaltigungen, Erschießungen gehörten zum Alltag. Die wildesten Gerüchte kursierten, denn es gab kein Radio und keine Zeitungen. Es hieß, die Deutschen würden nach Sibirien verfrachtet, und Schlesien würde an Polen angegliedert Der Abtransport nach Sibirien blieb uns erspart. Aber bald tauchten polnische Soldaten und Milizionäre auf; und in den Rathäusern etablierte sich die polnische Verwaltung. Die Sehulen waren geschlossen und die Betriebe stellten ihre A rbeit ein. Im Schwarzhandel konnte man noch Lebenswichtiges erwerben - und immer noch die Ungewissheit Aber die Abtrennung Schlesiens von Deutschland traf wohl zu. Wir haben unsere Feldarbeit weiter erledigt. Wir Jungen waren ständig auf der Hut, ob nicht russische Soldaten auftauchten. Und das war oft der Fall. Dann hieß es, schnell der Mutter und der Schwester Bescheid sagen, damit sie sich verstecken konnten, um Vergewaltigungen zu entgehen. - In dieser Zeit der Rechtlosigkeit zogen Banditen und russische Soldaten durchs Land. Und eines Tages, schon gegen Abend, erlebten wir einen Überfall. Ein russischer Lastwagen fuhr auf unseren Hof Ins Haus stürmten zwei bewaffnete Russen und zwei Männer in Zivil, die wir als Deutsche erkannten. Die Russen erschossen ein Schwein und luden es auf. Dann drangen sie ins Haus ein, durchsuchten alles und trugen bald zwei große von Flüchtlingen bei uns abgestellte Reimörbe und noch manches andere hinaus zu ihrem Auto. Die beiden Zivilisten gingen in den Stall, banden unsere Hersehe ab und zogen mit ihr los. Die Kuh folgte wohl willig. Wir konnten ihr nicht helfen. So verschwanden die Räuber am Waldrand in Richtung Volpersdorf, was unser Nachbar beobachtet hatte. - Am folgenden Tag waren Bekannte aus dem Nachbardorf bei ihrem Unterstand, den sie im Gebirgswald in etwa 800m Höhe als Versteck für ihre Pferde gebaut hatten, um dort zum Rechten zu sehen.  Und da entdeckten sie eine kurz an einen Baum angebundene Kuh, die sie als unsere Hersche erkannt hatten. Sie sagten gleich meinem Vater Bescheid, und der machte sich sofort auf den Weg dorthin - und nach einigen Stunden hörten wir vom nahen Wald her einen Schrei - und wir wussten, es war unsere Hersche. Sie kam recht schnell, etwas hinkend, auf dem nun ihr vertrauten Weg zu uns und schnurstracks in den Stall an ihren Platz. Etwas später traf auch der Vater ein. Wir gingen gleich zu unserer schon verloren geglaubten Hersche, streichelten sie und meinten, Tränen gesehen zu haben. Sie war wieder daheim und wohl zufrieden. - Was war geschehen? Die Diebe waren mit der Kuh losgezogen, wollten sie wahrscheinlich im Nachbardorf schlachten und sich damit Geld verdienen. Offensichtlich hatten sie es nicht gewagt, um diese Zeit mit dem Beutegut ins Dorf zu kommen. Sie hätten ertappt werden können. So hatten sie die Kuh im Walde gut versteckt an einen Baum gebunden, um sie später von dort abholen zu wollen. Und nun war die Hersche doch wieder in Waldgrund!! Aber! Die neuen Machthaber - die Russen und Polen - hatten nun das Sagen. Und das Schicksal nahm seinen Lauf! Motorräder und Radios waren abzugeben. Und dann auch Vieh! Eines Tages kam ein Pole von der Gemeinde, eine Kuh müsste zu einem Sammelplatz gebracht werden* Die Wahl fiel auf die Hersche! Mein Vater gab ihr noch ein großes Stück Brot und auch Wasser zu trinken, dann zog er los - wir waren alle sehr traurig. Ich ging mit. Am Sammelplatz in Neurode war schon recht viel Vieh beisammen. Man nahm uns die Kuh ab - und wir sollten nach Hause gehen. Noch lange haben wir zurückgesehen, und die Hersche lief am Zaun entlang, sie wollte doch mit uns zurück. Lange stand sie da -und wir mussten schließlich allein nach Hause gehen! - - In eine große Herde eingereiht, ist unsere Hersche dann in Richtung Osten getrieben worden. Wo sie ihr Ende gefunden hat, bleibt ungewiß. Der erste Platz im Stall war nun leer. Einige Zeit später kam ein russischer Lastwagen in unseren Hof, fuhr rückwärts vor die Stalltür, und eine Färse wurde aufgeladen. Auch die gescheckte Tocke haben wir auf tragische Weise verloren. Wegen Komplikationen bei der Geburt ihres Kalbes musste sie notgeschlachtet werden.

                        


                                                               Vater mit Hersche und Tacke

Und bald kam ein polnischer Verwalter in unser Haus - und wir mussten für immer unser Waldgrund verlassen. In Erinnerung blieben uns alle Haustiere, unsere Häuser, unser Garten, die Felder, die Wiesen und der Wald - halt unser kleines Paradies, unsere geliebte Heimat. - So hat der Zweite Weltkrieg viele Wunden und auch bleibende Erinnerungen hinterlassen, zu denen auch das Schicksal unserer Hersche gehört.

                                                                                                                                                               Hermann Günzel

S e l i g e   Z e i t e n
 
…..als wir noch an die Obrigkeit glaubten, den Behörden vertrauten, sie achte-ten, oder gar fürchteten, -  ihnen vertrauten, - und uns an sie wenden konnten! Ausgedrückt durch die Uniformen. Die Uniform galt als allwissend, nicht nur in der Grafschaft war das so, sondern im ganzen Lande. Ja, und weil wir nicht so ganz weltfremd waren, wurde auch schon einmal außerhalb der Grafschaft  Glatz geheiratet, gelebt, oder die Braut mit in die Heimat gebracht.
Heinrich hatte „Die Seine“ aus der Pfalz in die Grafschaft Glatz verpflanzt.- Weil Mundarten viele Wurzeln haben, war ein Gemisch oft ähnlich, - nur die Lautung klang anders!! Als Heinrichs „Seine“ einmal in Glatz zum Einkaufen war, und sich,“ frauenüblich,“  an so vielem verguckt hatte, war ihr Zug na-türlich weg. Wie aber sollte sie jetzt, wie vorgesehen, über den Bahnhof  Möhlten zurück nach Eckersdorf  gelangen??
Aufgeregt machte sie sich jetzt vom Ring aus auf den Weg zum Stadtbahnhof, unsicher, ob und wann  wohl ein Zug noch nach Richtung Eckersdorf fährt. Da sah sie einen  „ Bahner  in Uniform!!“ Hurtig schritt sie auf ihn zu und fragte, auf Pfälzisch-Glatzer Dialekt: “ Sie!! Sie! Herr Beomter! Wenn fährt denn mein Zuck!!“ Der Beamte schaute ganz verdutzt, Fragte: „ Ja, liebe Frau, wo möchten Sie denn hin???“ „No Mehlte!! No Mehlte !!“ Sagte sie ganz aufgeregt. Der Beamte schmunzelte, zog sein kleines Dienstheftchen aus der Seitentasche und beruhigte sie mit de nächsten Zugverbindung.
Selige Zeiten, - ohne Fahrkartenautomat, - ohne Computer und ohne  Internet.
 
                                                                                                                            Erhard Gertler
 
 
Die feierliche Vasper ei der Wollfahrtskerche
Es ies lange haar, da koam amol a aler Pauer zu da Gnadenmutter ei Telgte. Er hotte siech fein ogezään miet em weißa Hemde , on em schwoarzer Oazug. Oaber woas die Leutlan befremda toat woar sein weißes Tichla em a Hoals. Dieser Moon frete miech, sään se  amol, wu ies denn nu die Vasper, iech ho se scho ei der Kerche gesucht , oaber nischte ne gefonda. Iech schüttelte dan Koop, on sääte zu em, doas die feierliche Vasper  a Noachmittigsgottesdienst ies. Do kroatzt  siech da Pauer daan  Schadel un maent, na ju, do muus iech woll hungrig  hääm giehn.
                                                                                                                                              I.R.
 

Die Waldkapelle

Die Frau Oberinspektor Bittner hatte sich in einem schlesischen Gebirgsdorf nach einer Sommerfrische umgeschaut. Sie hatte auch etwas gefunden, was ihr zusagte. Wieder daheim, war ihr eingefallen, daß ¦sie vergessen hatte, etwas recht Wichtiges zu inspizieren. Deshalb schrieb sie an den Wirt und bat um Auskunft,wie es denn mit WC beschaffen sei. Der brave Wirt konnte mit der Abkürzung nichts anfangen. Man kannte in Ober-Hübnersdorf zwar ein Klosett, auch eine Abort, sogar eine Toilette, aber WC? Die Stammtischbrüder konnten auch nicht weiterhelfen, auch auf der Bürgermeisterei kratzte man sich hinter den Ohren. Schließlich kristallisierte sich die Meinung heraus, es könne wohl die Wald-Capelle im nahen „Puusch" gemeint sein. Deshalb bekam die Frau Oberinspektor folgenden postalischen Bescheid: Sehr geehrte gnädige Frau! Habe Ihre An­frage erhalten, und freue ich mich, Ihnen eine günstige Auskunft erteilen zu können. WC liegt etwa 3 km vom Gasthof entfernt sehr malerisch im Wald. WC ist bei allen Gästen und Einheimischen sehr beliebt. Manche bleiben gern den ganzen Tag an diesem idyllischen Ort und Familien nehmen sich dann wohl auch mal einen Picknick-Korb mit. Die Entfernung ist allerdings ein wenig störend, besonders für jene, die WC regelmäßig zu besuchen pflegen. Wer wenig Zeit hat, kann auch unser hauseigenes Automobil benutzen. WC ist ein ehrwürdiges altes Gebäude mit schönen großen Fenstern. Es hat 50 Sitzplätze. An Sonn-und Feiertagen wird geistliche Musik geboten. Es ist ratsam, sich vorher anzumelden, weil schon öfter mehrere Besucher keinen Platz mehr fanden. Deshalb soll WC in absehbarer Zeit erweitert werden und soll dann 90 Sitzplätze haben. Auch sollen die harten Holzbänke durch bequeme Polster ersetzt werden. Verehrte gnädige Frau, vielleicht treffen wir uns gelegentlich dort. Leider bin ich z.Zt. gesundheitlich nicht recht auf dem Posten, so daß ich nicht so oft hingehen kann, wie ich wohl möchte. Für heute verbleibe ich mit dem Ausdruck der Ergebenheit IgnasSchimmelpfennig
                      Wirt zum Roten Ochsen
Er wundert sich bis heute,warum die Frau Oberinspektor nichts mehr von sich hat hören lassen.
                                                                                     Hans  Zwiener                                                                                                            
 
 
         Die Hexe vom Rihstän
 
(aus Volpersdorfer Heimatblätter Nr. 14/2007, Seite 34 bis 35)
Will man von Köpprich im Eulengebirge das Bielauer Plänel erreichen, muss man den Bieler Grund entlanggehen. Zu beiden Seiten des schmalen Gebirgspfades befindet sich Hochwald, und in der Senke fließt glucksend ein Wässerlein. Auf halber Höhe zum Plänel ragt zwischen mächtigen Tannen und Buchen ein Felsen hervor, auf dessen Rücken man weit ins Tal schauen kann. Das ist der Rihstän, vom Volksmund so genannt. Waldarbeiter und Fuhrleute erzählten folgendes von dem Ort: Als der 30-jährige Krieg im Lande tobte, soll auch im Eulengebirge eine sehr schwere Zeit gewesen sein, denn Söldnerhaufen zogen plündernd durch die Siedlungen. Als wieder einmal ein Söldnerhaufen das Gebirge übersteigen wollte, um ins Land zu kommen, wollte eine alte, kranke und verwahrloste Frau zurückbleiben und suchte ein Unterkommen. Sie erzählte Leuten, dass sie ehemals Marketenderin gewesen wäre und Geld genug hätte, um alles bezahlen zu können. Da man aber in ähnlichen Fällen schon trübe Erfahrungen gemacht hatte, nahm man die Frau nirgends auf. So taumelte die Alte dem Söldnerhaufen nach und gelangte in den Bieler Grund. Am Rihstän aber konnte sie nicht mehr weiter. Da bemerkte sie die Höhle mm Felsen und suchte darin Unterschlupf. Sie richtete mit letzten Kräften ein Lager aus Moos und Laub, legte sich darauf nieder und dachte verbittert an ihr baldiges Ende.
Nach zwei Tagen Ruhe hatte sie sich merklich erholt. Sie lief ans Wässerlein und erfrischte sich und sah sich dann nach Beeren und essbaren Wurzeln um. Die nächsten Tage sammelte sie Tee und Heilkräuter und bot sie den Siedlern an. Nebenbei kaufte sie getragene Kleidung und gebrauchte Gegenstände. Sie wollte hier bleiben und sich die Höhle wohnlich einrichten. Nach und nach wurde sie bei den Siedlern bekannt und gelitten. Doch etwas sollte ihr zum Verhängnis werden. Sie konnte nämlich aus der Hand wahrsagen, wusste allerhand Zauberkunststückchen und braute für die jungen Leute Liebestränke. Nun meinten die Siedler, sie sei eine Hexe.
Als nun gar unter dem Vieh der Siedler eine Seuche ausbrach, sah man es als eine böse Tat der Hexe an. Sobald sie sich sehen ließ, bewarf man sie mit Steinen. Eines Tages fand man die Alte erschlagen vor ihrer Höhle liegen. Der Hexenwahn der damaligen Zeit hatte wieder sein Opfer gefunden. Man schleppte die Leiche in die Höhle und schüttete den Eingang mit Erde gut zu.
Seit dieser Zeit geht die Sage umher, dass die Hexe zu bestimmten Tagen auf dem Felsen stehe und mit der Faust ins Tal drohe und den Menschen, die gerade dort vorbei müssen, Unheil bringe.
 
 
 
A stolzer Hoahn
Amol wuchs a klänes Schiepala zo am stoattlicha Hoahne mit am prächtiga Gefieder azu. On dar stolzierte sehr selbstbewußt ei säm Hinnerhofe rem, duldete kann Rivala on woar dervone ieberzeugt, niemols änn Fehler zo begiehn. Allmählich wurde ar oaber taab ferr oalle weisa Rotschläge on aach blend ferr oalle Gefährdunga. On asu woar ar schließlich äne leichte Beute ferr änn Fochs. Ei ämm nohnda Peschla foand ma dann bloß noch a poar bunte Fadarn, die oa doas ieber aus stolze Wesen erennerta.- On doas woarschll On beim Fochse wie aach bei sann Genossa woar der Opptiet off Hinnerflääsch asu gruuß geworn, doaß se siech äne Henne noch der andarn hullta. Do werd ma halt a beßla nochdenklich ieber doas, woas Stolz letztlich eibrängt. - Wie ofte begäänt ma doch Männarn, Frauen oder ganza Völkarn, ferr die es besser gewaast war, sie hätta vo dam stolza Hoahne woas gelannt.
                                                                                                         Hermann Günzel
 
  Rond em’s Fansterbottla
O je, die Wenter woarn woll Derhääme stränge! Oaber mier Groafschoafter woßta ons zo halfa. A koam ju oalle Joahre, da biese Wenter, also mußte ma doodruuf vierbered’t sein. Nee oalle hoatt mer Doppelfanster, derwäjen wurde schon em Sommer Moos aus’m Posche gehullt on getroijt. Asu em Oallerhei-lijen rem hookte ma fer die äfacha Fanster draußa die schinn verzierta Fanster-braatlan ei. Ei a Zweschenraum koam  troijes, wääches Moos oder grien gefärbte Holzwolle. Dermit doas oalles a hibsch aussoach stackte ma ei doas Moos, oder die Holzwolle bonte Struhbliemlan. Die klänn Fanster woarn zwoar em etwa fuffza Zentimeter klänner geowarn, aber ma woar geschetzt on der Wenter kunde koamma. Ar kaom, wie emmer, met gruußer Kälde on ließ die Fanster ei der Nacht bis nuff met schiena Eisbluma gefriarn, on Morjas kunda mier Kender, met viel Spaaß, die erschta Lächlan ei die „Blumabeete“ haucha. Doas Eisswoasser lief oam Fanster nonder, nee ärn off a blanka Fansterkoop, doo-derfiere woar viergesorjt, nä, ei ääne Renne oam Fansterkoppe drenne lang on off der Seite vum Fanster ei a Bottla, woas onderm Fansterkoppe uufgehängt woar. Doas woar doas Fansterbottla, on doas mußte iebra Tag efter geläärt waarn. Also hieß doas woll a uufpaossa! Denn wenn doas woarm ei der Stube wurde, die Fanster oabtaata, lullerte a ganz beßla Woasser ei die Bottlan nei. Mier Kender woarn doo emsiech bei der Sache, kund mer sche doch ausläärn on ei der Woaschschessel met daam Woasser a weng remproantscha. Scheffla foahrn! Oaber doas Fansterbottla hoatte aach a Geheimnes! On wie doas met Geheimnessa ies, die bränga ääne gruuße Spoannong miete. Nu ja, doas kaom asu! - Kamm doas die Fansterbraatlan draußa eigehanga woarn, die schinn Struhbluma lechta toata, durfte iech doch jeda Oomd a Steckla Zocker draußa off doas Moos oam Fansterkoppe leen. Der Kloapperstorch teet siech doas hulla on mier geschwende a Geschwesterla bränga, sääte die Mutter. Nu woar iech met daan Ohrn ganz bei der Sache on horchte emmer ob iech woas hoarte wenn der Storch siech doas Steckla Zocker hullt. On doas ääne Moal, es woar schonn fenster on ooßiech kaalt draußa, hoart mer doch woas eis Fanterbottla lullan! „ Siste, sääte die Mutter, doas Geschwertala pullert schon ei’s Fansternappla!“  Na, wie doas meegliech woar, mechte iech hoite nooch wessa. –
                                                                                                                                                         Erhard Gertler
 
 
Die gruuße Angst
Die Ludwig Schneidan kläät on klenselt on jammert schrecklich stundalang, o Gott, nä nä´s ies zom Verzweifan, mei Moan ies schon verza Toage kroank! Etz tut ach onse änzige Ziege  ganz drehnich seit heute Nacht, ich hoa dam lieba guda Vieche en warma Eiguß schunn gemoacht! Mir ies woarhaftig Angst on Bange, doa selta kemmt bloß ä Moläär, ääs vo dan beda watt wull druufgiehn, wenn´s bloß nee die Ziege wär!
                                                                          Von Waltraud Töpper
 
 
Der Teich vum Kneppelmeller
Nä nä, es woar nee der Teich vum Kneppelmeller, es woar der aale Hoofeteich, a Koarpateich, schonn vu a poar Joahrhunderta aogeleet, fer die Herrschoaft off’m Dominium. Daam Freiherrn von Degenheym gehoarta frieher die Koarpa, oaber der Meller kunde , asu wie ars brauchte, sei Woasser oabnahma fer seine Sääjemiehle. Die aale Baache musste daan Teich emmer wieder uuffella. Die Braatmiehle wurde vu ons Kneppelmiehle genannt, weil  aus Stämma, Kneppan on oallem Braate gemacht wurda. Asu viel zor Geschichte.
Mier Jenglan woßta, wenn eim Herbste die Koarpaernte woar, on die Moanne, met Gummioaziecha on gruußa Netza dann Teich laar machta; „ Baale kemmt der Wenter!“ Oalle Koarpa woarn zwaor nee gefanga, andre zor Vermährong wieder ei a Teich geschmessa ei daan ma wieder fresches Woasser ließ. Der Wenter koam, der Teich fruer zu , on mier kunda Schlittschuhfoahrn. Die Struh-peschel, die aus daam Eise rausguckta, zeichta ons, „doas Eis ies decke genunk, die Fesche hoan Loft on mier kenna off a Teich!“ Kääner toat ons vertreiba, mier kunda onsan Spaß hoan! Eishockeye spiela, Kreisel drehn, die Määdlan emkrääsa on onse Kunststecklan zeija.
Oaber, oaber, der Kneppelmeller musste seine Braate schneida, brauchte Woas-ser! Daos Waosser soank, doas Eisa oa a Rändarn krachte , kriechte Resse on mier Angst. – Also nischt wie ronder vum Eise!! Andarn Taag woarsch, oals wenn siech die Decke wieder gehooba hätte, mier woarn wieder droffe.  – Bes es wieder knackte on knärrschte. Der Kneppelmeller toat wieder Braate schneida. Mier fuharn wetter, bes es taate. Ieberm Eise stoand daos Woasser, es wur gefährliech. –
Wenn ieberlääft, werd’s gefährliech, doas woßt mer, weß mersch a hoite nooch?
                                                                                                 Erhard Gertler, Gabersdorf
 
 
Der Geist im alten Speicher der Volpersdorfer  Brauerei.
Eine alte Erzählung
Es gab in früheren Zeiten, schon immer eine Brauerei in Volpersdorf und auch heute, stehen noch einige ihrer Gebäude. Sie lag ein wenig abseits des Dorfes, dort wo ein klarer Bach gutes Brauwasser bescherte. Es gab sehr gutes Bier, von dem auch heute noch so mancher zu erzählen weiß. Just in diesem Gebäude, trug sich eine unheimliche Geschichte zu. Kinder, die dort wohnten, streiften neugierig in den alten Gebäuden umher und kamen auch in einen alten Speicher, dessen Türe schon nicht mehr vorhanden war. In diesem Türrahmen, erschien zeitweise ein Geist, der so beschrieben wurde. Er hatte einen Kopf,  der wie ein rundes Wespennest aussah. Zudem trug er einen Rock auf den Schultern, der bis zu den Knien reichte. Beine hatte er keine. Gingen die Kinder auf den Türrahmen zu, war der Geist nicht mehr zu sehen, entfernten sie sich, kam der Spuk zurück. Deshalb glaubten sie an einen Scherz der großen Jungen, und suchten nach Fäden, Drähten, oder einem Mechanismus, der  den Geist beliebig hin und her transportierte, aber man fand nichts dergleichen. In einem Gang des Speichers lag ein Schweinetrog aus Holz mit dem Boden nach oben. Man wollte nachsehen, ob der Geist vielleicht darunter steckt. Ohne ihn zu berühren,  drehte sich der Trog mit einem heftigen Rumms auf die andere Seite. Leider war sonst nichts zu sehen. Seit diesem Schrecken, wurde der Speicher gemieden.
Eine andere Geschichte erzählt von einem Gang, der in einem heute abgerissenen Gebäude der alten Brauerei sein Ende nahm, kommend vom Dominium. Es war wohl ein alter Fluchtweg, der in den Wirren der Kriege und Raubüberfällen, denen Adelige und ihre Besitztümer ausgesetzt waren, angelegt wurde.
                                                                                                        I. Reimann
 
Die Sage von der Hoverone
 
In Volpersdorf und Umgebung erzählte man sich folgende Geschichte.
Eine Magd Namens Veronika diente im Schloss  in Ober-Volpersdorf. Sie war jung und sehr schön, und wollte den Baron als Liebhaber gewinnen. Sie war intrigant und meinte, sie  gehöre eher ins Schloss als gemeine Magd zu sein. Es entstanden eheliche Zwiste in der Familie des Barons, die dazu führten, dass die Frau mit den Kindern nach dem im Niederdorf gelegenen Dittrich-Hof zog. Nun hatte Veronika erreicht, was sie wollte. Erst mal soweit gekommen, benützte sie ihre Macht, um allerhand Schandtaten zu verüben. In jeder Weise schikanierte und betrog sie das Gesinde und die Bauern. Sie gab dem Gesinde nicht das ihm zustehende Deputat, nicht den verdienten Lohn, ließ die Bauern mehr Hand- und Spanndienste leisten, als sie verpflichtet waren, schlug bei den geringsten Anlässen unbarmherzig auf die Leute ein und wirtschaftete vor allen Dingen viel in ihre eigenen Taschen. Lange jedoch währte dieses tolle Treiben nicht, ein früher Tod machte ihr den Garaus. Ihre Seele konnte zur Strafe für die verübten Schandtaten keine Ruhe finden, sie ging um. In den Ställen machte sie das Vieh wild, so dass  es sich von den Ketten los riss, wild durcheinanderlief  und hinschlug. In die Feueressen kroch sie und blies den Leuten das Feuer aus. Im Dachgeschoß des Schlosses wohnten vor vielen Jahren zwei Diener, die manchmal recht späht heimkehrten. Einst, als sie wieder einmal zur Geisterstunde ihr Zimmer aufsuchten, bemerkten sie einen Lichtschein durch einen Türritz. Neugierig, wer zu dieser Zeit in Ihrer Stube etwas zu suchen habe und zugleich beklommen, öffnete er ein kleinwenig die Tür und gewahrte darin  die Verone ihr schönes langes blondes Haar vor dem Spiegel kämmend. Der andere, der jeder Zeit zu lustigen dummen Streichen aufgelegt war, rief der Geistergestalt, um sie zu necken, zu: “V’rone, du konnst  m’r  aach amool de Looda kämma. “ Kaum war das Wort  heraus, da drehte sich die Verone um und will die beiden fassen, die entsetzt die Treppe hinunter rennen. Eine wilde Jagd ist es die  durch das Schloss ging In Ihrer Angst rennen die beiden in den Pferdestall, und verstecken sich unter den Futterkrippen. Da rief die Verone; "Wärt Ihr nicht zwischen Stahl und Eisen, so wollte ich es Euch beweisen! Die Knechte wussten ,dass man vor Geistern sicher ist, wenn man sich zwischen Stahl und Eisen befindet. - Niemand hat gesehen, wohin der Geist gegangen ist. Punkt eins war er von der Stalltür verschwunden. Ein Schaffer, der auf dem Hofe diente, nahm sich ein Herz und beschloss, diesem Unwesen ein Ende zu bereiten. Als er einmal merkte, dass der Geist in der Esse sei, stieg er schnell auf das Dach und zog einen Ledersack über die Schornsteinöffnung. Nach dem der Geist  das Feuer ausgelöscht hatte, wollte er wieder auf demselben Wege, auf dem er gekommen war, heraus und geriet in den Sack, den der Schaffer schnell zuband und hinunterwarf. Auf einen Wagen geladen, machte er sich so schwer, dass sechs starke Ochsen davor gespannt werden mussten, die den unruhigen Geist nach dem Romhübel fuhren, wo er tief vergraben wurde. Um die Grabstätte setzte man noch einen Eisenzaun. Als dieser Zaun einmal eine Lücke aufwies, trieb die. Verone wieder im Schloss ihr Unwesen. Erst als man immer mittags die Glocke auf dem Dach des Schlosses läutete, kehrte Ruhe ein. -Vergaß man später einmal das  Läuten, ging es mit dem Spuk wieder los, immer zwischen zwölf und eins. Es gibt noch so manche Geschichte; und immer, wenn es in Volpersdorf unerklärliche Vorkommnisse gab, meinte man: „Do woar wieder die Hoverone eim Spiel! “-Selbst nach 1945, als polnische Menschen das Schloss bevölkerten, soll es nachts Unruhe und Erscheinungen gegeben haben. Und als man diesen von der Hoverone erzählte, glaubten sie fest an die Existens dieses Geistes. Eine Familie, die im Schloss wohnte, hat aus diesem Grunde Volpersdorf  verlassen. - So bleiben viele Fragen offen. 
Vor langer Zeit, erzählte man auch diese Geschichte von der Hoferone.
Dort, wo heute der  Campingplatz hinter dem Dominium liegt, soll es umgehen, das heißt mit anderen Worten, es spukt. Man erzählt, dass sich in dem kleinen Waldstreifen, der sich  am Campingplatz entlang zieht eine tiefe Mulde befindet, in der die Hoferone ihre nicht gewollten Kinder begraben haben soll. Diese würden sich um Mitternacht durch Weinen bemerkbar machen, weil sie nicht christlich beerdigt wurden.
Vor langer Zeit soll es auch ein Sühnebildnis in der Buchenallee an einer Buche gegeben haben. Auch hier soll man des Nachts die Kinder weinen gehört haben. Wer dieses Bild angebracht hat weiß man nicht, auch nicht mehr  was auf diesem Bild zu sehen war. Man meint, es wäre eine Muttergottes gewesen, was man ja auch gut nachvollziehen könnte.
 
 
Die Jagd auf dem Rohmhübel
von Hermann Günzel
Im Eulengebirge hat sich in den letzten Jahren das Muffelwild stark vermehrt . Allein auf der Grafschafter Seite wurde ein Bestand von reichlich 500 Tieren festgestellt, die im Winter auch bejagd werden. Mein Bruder Alois hegte schon seit längerer Zeit den Wunsch, die Trophäe eines Muffelwildes aus unserer Heimat, an seiner Wand zu sehen. So reisten wir,er und ich als Jagdbegleiter im Dezember 1993 auf Mufflonjagd ins Eulengebirge. Von der Falkenberger Försterei aus, wo wir untergebracht waren, ging die Fahrt mit dem Jagdführer ins Revier. Es war herrliches Winterwetter, die Berge tiefverschneit, die Sonne strahlte vom blauen Himmel auf den märchenhaft glitzernden Wald .Als wir von der Volpersdorfer Försterei aus dem Weg unterhalb des Rohmhübels ( ein 741 Meter hoher Berg in der Volpersdorfer Gemarkung ) entlang fuhren, sahen wir in etwa 200 Meter entfernung oben am Berg dunkle Flecken zwischen den Bäumen. Ein Rudel Mufflons musste es sein.Der Jagdführer und mein Bruder pirschten sich, durch große Bäume gedeckt, bis auf etwa 120 Meter an das Rudel heran und machten dabei einen starken Widder aus. Als dieser sich hinter einem Baum hervorschob, so das der Vorderkörper und Haupt frei waren, legte mein Bruder die Büchse an und drückte ab.Als der Schuß verhallt war, meinte mein Bruder, er sei gut abgekommen, habe also getroffen.Und nun stapften wir im tiefen Schnee bis zur Anschußstelle. Da lag auch das gestreckte Tier. Aber –und nun war die Enttäuschung groß- es hatte keine Hörner; war demnach ein weibliches Tier, ein Schaf. Der Jagdführer und mein Bruder waren sich absolut sicher, dass sie mit ihren Ferngläsern einen Widder ausgemacht hatten. Und nun lag ein Schaf da! Dies konnte doch nicht war sein!! Aber, etwa 2 Meter höher bemerkten  wir Schweiß (Blutstropfen) der nicht vom Schaf stammen konnte. Wir gingen der Spur nach und fanden etwa 10 Meter höher hinter einem Baum den toten Widder. Was war also geschehen?- Beim Schuß hatte unmittelbar hinter dem Widder das Schaf gestanden, unsichtbar für den Jäger. Das Geschoß hatte den Körper durchschlagen und war in das Schaf eingedrungen, das dann im Anschuß tot umfiel. Der Widder hatte noch einige Sprünge nach oben gemacht, bevor auch er tot in den Schnee sank.Das war ein einmaliges, seltsames Geschehen. Weil sich dies auf dem Rohmhübel zutrug, hätte man auf den Gedanken kommen können, die Hofe-Verone müsste hier ihre Hand im Spiel gehabt haben. Aber es handelte sich wohl um einen , wenn auch seltenen Zufall, wobei  mit einem Schuß zwei Tiere fielen.
 
 
Ein Streich der Hofe-Verone? OderDie Mufflonjagd.
Ein Jäger wollt ein Mufflon jagen,
gesagt, getan ganz ohne zagen.
Im weißverschneiten Fichtenwald,
die Luft war eisig, bitterkalt.
Da!! Ein Widder, stark und schön,
der blieb vor seinem Weibchen stehn.
Da legt der grüne Jägersmann, 
der gut versteckt im dunklen Tann,
die Büchse, auf das Mufflon an.
Es knallt sehr laut,der Jäger schaut,
zu seinem toten Widder hin,
doch nein, es war ne Widderin.
Oh Weidmannsheil, mich narrt ein Spuk.!!
Was ist das für ein böser Trug??
Ein wenig weiter, oberhalb,
da liegt der Widder tot und kalt.
Es flog die Kugel durch sein Herz,
und traf sein Weibchen hinterwärts.
Der Berg, auf dem dies so geschah,
der Rohmhübel, mit Grab der Veronika.
Bei ihren Streichen, fies und gemein,
könnte sie wohl verantwortlich sein. 
                                                                               I. R.

 

Eine Legende von der Quingenburg.

In der Nähe des Dorfes Volpersdorf, auf dem Quingeberg, soll einst eine Burg gestanden haben, in welcher wilde Raubritter hausten. Diese hatten viele Schätze zusammengeschleppt und in den Kellern der Burg vergraben. Eine reine Jungfrau, die in der Christnacht danach sucht und eine angezündete, geweihte Kerze in der Hand trägt, kann die Eingangspforte zu dem verfallenen Burgkeller öffnen und nach Herzenslust Gold und Edelsteine zusammenraffen.

 

 

Ein Ölbaum in Volpersdorf

In der Nähe der Volpersdorfer Schule, in dem Garten des Stellenbesitzers Paul Wunsch, steht ein merkwürdiger Baum der im Volksmunde als Ölbaum bezeichnet wird. Über den Ursprung des Baumes, der heute eine Höhe von zehn Metern bei einem Umfang von 75 cm (in Brusthöhe gemessen) hat, erhalten wir folgende Zuschrift: Gegen das Jahr 1860 kam ein Franziskanermönch Phillip Gersch nach Volpersdorf und übernachtete in der sogenannten Schölzerschmiede. Er brachte seinem Gastgeber eine unscheinbare Wurzel mit, die er aus dem Ölgarten, indem unser Erlöser sein bitteres Leiden begonnen hat, entnommen hatte. Der Meister Welzel grub die Wurzel in den kleinen Garten vor seinem Hause ein und erwartete wohl nicht, daß die Selbe ein Auferstehen feiern würde. Doch, o Wunder, im nächsten Jahre kam ein Zweig mit wohlriechenden Blättern hervor, der sich von Jahr zu Jahr vergrößerte und sich zu einem hohen schlanken Baum entwickelte, der bald das Dach des Wohnhauses überragte. Der spätere Besitzer ließ den Baum, dessen Wert er weniger schätzte, umhauen. Damit war der Ölbaum aber nicht zufrieden. Er hatte in den Jahren seines Wachstums Zeit gehabt, seine Wurzeln unter der Erde zu verbreiten und ein neuer Baum, kaum zwanzig bis dreißig Schritt von dem Ersten entfernt, entstand. Derselbe steht heute noch und sendet sein kräftiges Aroma im Frühjahr, besonders wenn Regen ihn erquickt hat, allen, die hier vorüberkommen oder hier wohnen.

Auszug aus den Neuroder Heimatblättern von 1924

Die Geschichte der Volpersdorfer Schölzereikapelle

Es ist schon lange her, da gab es in Volpersdorf noch eine Schölzerei (Schulzenhof.) Der Dorfschulze war so eine Art von Bürgermeister mit Gerichtsbarkeit. Dort stand eine junge fromme und tüchtige Magd in Diensten. Ihr Elternhaus war in Ebersdorf nicht sehr weit von Volpersdorf entfernt, so dass Sie jeden Abend, nach getaner Arbeit nach Hause ging. In der Schölzerei, gab es viele Mägde und Knechte und darunter auch einen rechten Spaßvogel und Tunichtgut. Eines  Abends, es war schon dunkel, als die junge Magd wieder einmal dem Elternhaus zu strebte, da hatte er sich einen ganz besonderen Streich ausgedacht. Er zog sich einen weißen Mehlsack über und lauerte dem Mädchen hinter einem Busche auf. Als sie vorüberging stürzte er mit fürchterlichem Gebrüll vor sie hin. Die Magd voller Entsetzen, griff nach ihrem Holzprügel, den sie für alle Eventualitäten bei sich trug, denn man wusste ja nie, was so alles auf  dem Wege passieren mochte. Sie befahl sich Gott und wollte dem vermeintlichen Geist zeigen wie es ist, wenn man einem jungen unschuldigen Mädchen zu nahe tritt. Mit der ganzen Kraft ihrer Jugend, schlug sie immer wieder auf den Geist ein, bis er sich nicht mehr rührte. Dann rannte sie so schnell sie konnte ihrem Elternhause zu. Am anderen Morgen in der Schölzerei angekommen, gab es große Aufregung. Einer der Knechte, hatte auf dem Wege zur Arbeit einen Mehlsack gefunden völlig mit Blut besudelt. Als er zitternd und bebend hineinsah, erkannte er kaum seinen Arbeitsgefährten, der wie er Knecht auf dem Hofe war. Jetzt erzählte die Magd ihrem Herrn, was sich auf ihrem Nachhausewege zugetragen hatte. Der unglückliche Knecht, hatte durch einen dummen Streich ein so grausames Ende gefunden. Später baute man zur Erinnerung und zur Sühne die Schölzelkapelle einen großen Bildstock der noch lange in Volpersdorf zu sehen war.

                                                                                                            I. Reimann

                                                                  Vergebliche Miehe

Wenn die kläne Friedel eim Goarta spielt, taucht aach  glei ihr klänes Katzla uuf, doas asu lange em ihre Bäne schmeichelt, bes sie es off die Arme nemmt an strächelt. On dann schnorrt da oallerliebste Daudel on dreckt sänn Koop ganz feste a die Friedel droa. A Igel dar verstackt onder ämm Sträuchla setzt, siehtt dam Spiele zu, on es gefällt ihm. Off ämol kemmt do bei ihm a heftiges Verlanga noch selcher Zärtlichkät uuf. Ar troapst ieber a Roasa hie zor Friedel on versucht genau wie doas Katzla, siech bei iharn Bänn bemerkboar zo macha. Wie doas oaber piekst on stecht, sprengt die Friedel erschrocka zore dan klänn Kalle ganz ganne, oaber berieharn oder off a Orm nahma, nä, doas tutt se nee. Asu trottet onser Igel enttäuscht wieder zo a Sträucharn zorecke on lett siech lange nemme sahn.-War stachlich ies, koann äben off bestemmte Zärtlichkäta nee hoffa!

                                                                                                          Hermann Günzel

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