
Tautropfen
Tautropfen am
Weidenzweig,
leuchten in klarer
Schönheit.
Schaust du in ihre
Mitte,
siehst du wie durch
Zauberei dein Bild,
wie in Schneewittchens
Spiegel.

Volperschdroff
Erhard Gertler
Die letzten unserer Habe,
Die Menschen, Zeugen einer Zeit,
So wird die Welt von Schuld befreit.
Seit Jahren schon, so Stück für Stück,
Durch Vorwärtsdenken, - nicht zurück.
Im Zukunftsdenken liegt der Zweck!
- Wo, im Gewesenen ist der Gag- ?
So fragt der Mensch, der so verblendet,
Doch oft hat alles sich gewendet,
Hat Wurzelkraft sich offenbart,
Um das Gewesene sich geschart.
Gefühle sind dann aufgetan,
Sie schreien laut und klagen an,
In aufgewühlten Stunden:
Warum verheilen nicht die Wunden?
Warum trotz ruhelosem Treiben,
Muß alles auf der Seele bleiben?
Warum will man davon nichts erben,
Wenn Zeugen sterben?
Erhard Gertler
Offm Kärchhofe
Wenn Franze amol eis Nockwerdorf kemmt,
do denkt ar o ääs ganz bestemmt,
doaß ar zom Groabe seiner Mutter gieht,
a Gebaatla sprecht on zom Rechta siehtt.
Wie er ämol wiell wieder off häämzu
giehn,
siehtt ar bei äm Groabe änn Moann datt stiehn,
da verr siech hie joomert on kläät:
„ Mier bleit oalles Glecke versäät,
seit du da Welt a Recka gekehrt.
Mei Laaba ies ganz on goar zerstärt!
Wärscht du noch do, es ginge mier gutt;
Oaber asu gieh iech baale woll kaputt!“
Franza tutt doas Häffla Elende lääd,
ar gieht hie zo dam Moanne on säät:
„ Änn lieba Menscha tun sie do beklään:
Asu woas ies monchmol schwer zo erträän.
Ihrn Schmerz koann iech gutt verstiehn,
oaber es muß halt wieder wätter giehn!
War ies es denn, da do eim Groabe leit?“-
Es tauert eine geraume Zeit,
bes dar geploochte Mann zor Ruhe fend
on wieder a besla Zutrauen gewennt.
On dann erfährt es Franze ganz genau:
„ Hier leit der erschte Moann vo meiner
Frau!“
Hermann Günzel
Ein flüchtig Leben
Ach, wie ist es wunderschön,
Dem Vogelfluge nach zu seh’n!
Mal von Ast zu Aste zu hüpfen,
Unter Blätter schnell zu schlüpfen.
Sich verstecken vor der Welt,
Unter’m himmlischen Gezelt.
Der Gefahr flugs zu entflieh’n,
Und von Ort zu Orte zu zieh’n.
Jeder freut sich, jeder liebt Dich,
Wenn er einmal wieder sieht Dich!
Mag man Dich nicht, an dem Ort? -
Schwupps. schon bist Du wieder fort!
Ach, wir Menschen haben’s schwer. -
Wenn man doch ein Vogel wär’! -
Man könnte fliegen, sich verstecken,
Und die Welt, sie könnt uns lecken.
Erhard
Gertler
Wenn die Schwoalba siech soamman,
Oa die Drehte siech kloammarn,
Doas fliecha ieba,
Eim Hella, eim Trieba.
Ämoal doo, ämoal datt,
Jeder wääß, die ziehn fatt.
Hoan ä Ziel blooß eim Schelde,
Flink ei woarme Gefelde.
Och, Ihr Schwoablan, Ihr klänn,
Wie teet iech miech frään,
Met Oich miet zo flattarn,
On die Sonne dergattarn.
Die Wärme tutt fahla,
Eim Norden, eim kahla.
Oaber mier haala Stand,
Hitta Hof, on a Land.
Bleit gesond ei der Fernne,
Mier hoan Oich doch gernne!
Kommt gleckliech zorrecke,
Iehr brängt ons doch Glecke!
Wenn’s Friehjoahr waat doo sein,
Watt Ihr a wieder doo sein,
Wenn Ihr’s Naast eigenoamma
Hääß mier Oich wellkoamma.
Erhard
Gertler

Die Sage vom Raubschlosse auf dem
Quingen-Berge
bei Volpersdorf.
In Volpersdorf stand einst ein Schloß
das finsterer Wald bedeckte
Worin
ein wilder Räubertroß
Verwegene
Pläne heckte.
Doch
trieben diese kühnen Leute
Das
Räuberhandwerk fern im Land
Und
lebten hier von ihrer Beute,
Den
Gaubewohnern unbekannt.
Bewohnet
war erst dazumal
Des
Dorfes Teil gen Westen
Gefüllet
noch das ob´re Tal
Mit
Wäldern und Morästen.
Wie
arm die Leute sonst auch waren
So
wallte Sonn – und Feiertag
Das Dörflervölklein
Paar bei Paaren
Ins
Kretschmerhaus zum Lustgelag.
So
ließen, was sonst nie geschehn,
Des
Sich
manchmal fremde Stutzer sehn
Die
wieder still verschwunden.
Gemächlich
wurden sie bald freier,
Sie
zechten brav – bezahlten gut –
Und
tanzten bei Schalmei und Leier
Ganz
unbesorgt mit frohem Mut
Im
Löwengrund gab´s eine Magd
Beim
Müller, schön vor allen,
Die
hat, wie uns die Kunde sagt,
Den
Fremden bald gefallen,
Man
überhäufte sie mit Bitten,
Sie
möge doch mit ihnen gehen
Nach
ihrer Heimat schönen Hütten
Und
schenkten
Die
Dirne, Räuber ahnend, bat
Bei
so bewandten Sachen
Den
Brotherrn um geneigten Rat,
Was
hier doch sei zu machen.
Geheim
ward nun herbeigezogen
Beratend
mancher kluge Mann.
Man fasste
endlich wohlerwogen,
Für
die Entdeckung einen Plan.
Man
hieß der Dirne: In so fern
Die
Fremden wiederkehren,
Sollt`
zögernd sie den saubern Herrn
Den
frechen Wunsch gewähren.
Es ward gelobt, ihr beizustehn,
Nur zeichnen musste sie den Pfad,
Den man mit ihr nun würde gehen
Und den man ihr zu folgen hat.
Der
nächste Sonntag kommt heran,
Man
tanzte ohne Sorgen
Gerüstet
hat sich jedermann;
Die
Waffe war verborgen.
Ganz frei und ahnungslos erschienen
Nun auch die unbekannten Herrn,
Umringten stets mit süßen Mienen
Das Mädchen kosend nah und fern.
Die
dreisten Wichte wagten laut,
Den
Antrag zu erneuen
Und
schlau schien sie, mit ihn`n vertraut,
Den
Gang nicht zu bereuen.
Gab vortgeh`nd aber ganz verstohlen
Den Dörflern einen leisen Wink.
Macht mit den Herrn sich auf die Sohlen,
Empfahl sich
Vergessen
war das Lustgelag, -
Man
griff zu Spieß und Keule
Und
folgte den Entführern nach
In
wohlbedachter Eile.
Die
Dörfler fanden nach Verlangen
Die
Spur- und alles war erfreut
Die
Magd hat, wo der Zug gegangen
Mit
Erbsen hie und da gestreut
Jetzt
nun verfolgte man die Spur
Durch
Sumpf, Gebirg und Klippe,
Man
kroch auf ungebahnter Flur
Durch
Heck` und Waldgestrippe.
So
langten nun die wackren Sbirren
Auf
steilem Hochgebirge an,
Doch
fast ergriff sie jetzt Verwirren,
Als
sie ein Schloss hier vor sich sahn.
Da
flüstert`s leise durch die Schar.
„Ist`s
Mädchen noch am Leben,
So
muß sie wies beredet war,
Uns
doch ein Zeichen geben.“-
Und
näher schlichen sich die Leute
Dem
unbekannten Aufenthalt,
Gefaßt
war alles schon zum Streite,
Als
rufend eine Stimm erschallt.
Es
war die Heldenmagd, sie lief,
Weil
ihr so peinlich bange,
Ans
Fenster hin und rief
Zu
Zeichen, ach so lange! -
Der Räubertroß entbrach in Lachen:
„Wird, Dirne, dir die Zeit zu lang?
Wart, wollen dir sie kürzer machen,
Sonst wirst du uns vor Heimweh krank“.
Siehst
du die Sag´ für Fabel an
-Wie
viele ihresgleichen -
Geh´
steig den Quingen-Berg hinan,
Du
findest noch die Zeichen
Vom alten Raubschloß im Gesteine
Und suchte man mit Hack´ und Spat´
Man fänd´ vielleicht noch die Gebeine
Derer, die man erschlagen hat.
Wie
wenn Orkan tobt durch den Wald
Nach
friedlich hehrer Stille,
So
stürzt aus ihem Hinterhalt
Die
Schar mit Sturmgebrülle.
Zerschmetterte
der Tore Riegel
Und
drang durch jede Öffnung ein.
Der
Tod schwang seine dürren Flügel,
Der
Waffenklang durchdröhnt den Hain.
Nach
dem gemach vom ersten Schreck
Die
Räuber sich entraffen,
So
schwingen auch sie mutig keck
Toddrohend
ihre Waffen
Jedoch die rüst´gen Dörfler siegen;
Die Räuber werden hingestreckt-
Tod mussten sie vor ihnen liegen,
Der Boden raucht, von Blut
bedeckt.
Im
Kampfe war die Dirn entfloh´n,
Weshalb
man sehr in Sorgen,
Schon
ruft man sie im Klageton,
Doch
hat sie sich verborgen,
Und
überrascht dann ihre Leute
Die
freudig ihr entgegenschrei´n.
„Dich,
Dirne soll von diesem Streite“
Der
größte Nachruhm stets erfreu´n.
Zerstöret
ward bis in den Grund
Sogleich
die Räuberfeste,
Und
in des Tales tiefen Schlund
Gestürzt
die Überreste. -
Der Ruf: Die Räuber sind bezwungen!
Ertönte bis ins nahe Land;
Der Ort, wo dieser Sieg errungen
Wird heut noch Quingen-Berg genannt.
Hans Kastner

Schlechtes Water
Wenn Storm braust dorch die Bääme,
on der Rään klatscht o die Scheiba,
do ies´ bei äm selcha Treiba,
om besta, ma bleit derhääme!
A worma Uufa ei sämm Recke,
Raach ausm Pfeifla em die Noase,
a guudes Träppla ei sämm Gloase -
do wird´s säusche Water zom Glecke!
Waldgrund
Oos Eulagebärge
oageschmiegt,
ganz
verstackt ei äm Puuschwenkel liegt
a
winzich Därfla; Waldgrund genannt;
es
poaßt asu rechtich eis Glotzer Land.
Vo
Em
Hange lang siech stänige Felder ziehn.
Bächlan
rauscha vo a Barga roa
On
plätscharn dorch soaftige Toalwiesa noa.
Eim
Sommer vo Bluma ieberseet, eim
Wenter
mit Schnie zugeweht,
eim Herbste recht bunt, eim friehjoar freschgrien:
Eim
Waldgrunde ies es emmer schien.
Aach
dann, wenn amol der Stormwind braust
On
wie a Welder ei a Pescha haust;
wenn`s
gewittert mit oaller Gewalt,
doaß
es ei a Barga grausig widerhallt,
wenn
die Sommerhetze oalles versengt
oder
grimmige Kälde onder die Nääle drengt,
wenn´s
techtich räänt oder die Sonne lacht,
wenn´s
naablich ies oder sternkloare Nacht.-
Zom
Laaba datt gehärt oalles derzu:
Der
heftige Storm, die friedliche Ruh,
die Wentersnuut, oaber aach´s Wachsa ons Bliehn,
eim
Waldgrunde ies es halt schien!.
Hermann Günzel
A kläänes Mannla ausm Legagrunde
hoatte doas Schneiderhandwerk erlannt.
Es woar dann ols Jachel-Schneider
oalla Volperschdroffarn bekannt.
Mit seiner Oarbt woar ma zofrieden,
doch hoatt´s monches, woas nee gefiel:
Wie gedruckt kunnde Jachel liega
on vo Ehrlichkeit hielt ar nee viel.
Ämol wullde der Sandma-Pauer
siech änn Sonntich-Oazug macha loon,
on zwoar vom besta Neuroder Tuche,
woas ar zom Mäster schon hoatte hiegetoon.
Ols a poar Taage woarn verganga,
koam der Jachel-Schneider zo ihm hie.
Nischt Guudes hoatte dar zu berechta
“Es ies woahr, asu wie iech hier stieh,
heute nacht hoan se eigebrocha
on mitgenumma doas beste Tuuch,
doas ferr Dänn Oazug! Iech koann´s nee foassa!
Iech gieh etz zom Scholza huuch,
om datt dan Diebstoahl oazozeiga!“
Der Scholze härte siech die Geschechte oa
on mänte - wie aach andre eim Dorfe –
do wär kä Kernla Woahrhät droa.
Ar hulIte siech derzu zwee Schäffa,
om o Oart on Stelle nochzosahn.
Sie brauchta goar nee lange sucha,
die Vermuttung hoatte dan recht gegahn:
Zoonderscht ei der Fleckla-Kiste
foanda se doas “gestohlne Gutt“.
Ieberfuhrt woar do der Jachel-Schneider;
on dar koam jetze ei gruße Nuut.
Verurteilt wurda vom Dorfgenechte
zom Hoalseisa glei a Sonntich druuf.
Doas woar die verdiente Strofe!! -
Schon friehmargas brocht man nuff
zor Schölzerei o die Mauer.
Weil doas Mannla woar sehr klään,
langte ar nee nuff bes zorn Eisarenge;
do leete ma onder änn decka Stään.
On dann stoand ar o der Mauer datte!
Die Kärchleute zuga o ihm verbei.
Woas ar siech do oalles oahärn mußte,
brochta foast zur Roaserei!
Die Sonne stieg emmer hicher,
on die Hetze soatzte dam Orma zu.
Bes zom Ombde sullt doas noch tauarn!
On die Fliega ließa ihm käne Ruh!
Hände on Fisse woarn ei Schella,
drom kunnda siech gegen nischte wehrn.
Do koam aach noch ne gruße Hummel!
On dar gefiel‘s ‚ em sänn Koop zu schwärrn.
“Giehste weg“, prellte do der Schneider
on troat wie weIde off dam Stääne rem;
dar fing bedenklich oa zo wackan
on kippte zo oallem Unglecke em.
Es goab änn Ruck, die Keeta klärrta,
oaber doas Hoalseisa goab nee noch!
Tuut hing datt doas Schneidarla drenne;
es woar´s Genecke, doas ar siech broach.
Die Leute, die aus der Kärche koama,
blieba erschrocka on ganz stelle stiehn.
“Herr, gieb ihm die ewige Ruhe“,
batta se beim Auseinandergiehn.
Sie woar schon grausoam, die Strofe,
die ma verhängte ferr selch äne Toot;
drom woar der Jachel-Schneider der letzte,
dar eim Hoalseisa gestanda hoot.