Woschtfilsel assa.
 
Der Voatel hoat a Schwein geschlacht,
es uufgehängt und ausgemacht
und oalles woas so drenne woar,
koam ei de grusse Schessel ra.
De Muttel de hoats Blutt genomma,
un Nockwern sein derzu gekomma
die hoan doas Blutt gerührt en Massa,
weil se wullta Woschtfilsel assa.
Un woas ma nooch derzune broacht
doos hot ma schnell nooch eigekaaft.
Doos Schwein woar schun nooch a poor Stunda,
verworschtet  un  aach sust verschwunda.
Nu woar da Feierobend do,
un aolles koam zum Assa ro,
denn oalle Arbter gruuß un kloan,
wullda de Schessel Woschtfilsel sahn.
Die Muttel satzt se uuf a Tiesch,
leet Goaban uuf un Bruut goanz fresch.
Dann goat  doas gruuße Assa luus,
danaba gibts aach Oppelmus.
A jeder ießt soviel a  koan,
de Wompe schwillt gefährlich oan.
On noach ner Stunde oder mehr,
do ies de Schessel endlich leer.
Bei Goot, doas woar a ooßig guttes Assa,
Doas tutt ma ne so schnell vergassa.
 
                                                    I.Reimann
 
Die alte Schnupftabakflasche.
 
So mancher Weg so manches Haus,
durch Zeiten ganz verschwindet,
so dass man, wenn man danach sucht,
kaum Spuren wiederfindet.
 
Ich bin zum roten Schloss gegangen,
und hab zu suchen angefangen.
Viel Wald und üppige Natur,
die fand ich nur.
 
Ein Mäuerchen aus rotem Stein,
ein breites Loch das war´s allein
was von dem schönen Grubenhaus
geblieben war, so sah es aus.
 
Ich ging noch einmal um den Platz,
hell blinkt es auf, war dort ein Schatz?
 Ich nahm ihn aus der Erde, in meine Hosentasche
Es war ein Schatz: „ Des Bergmanns alte Schnupftabakflasche .“
                                  I.R.
                  
 
 
Regen in Volpersdorf
 
Regenwetter, seh´s mit bangen,
hält uns länger schon gefangen.
Von den Bergen rauscht es ach,
voller werden Teich und Bach.
 
Auf dem Plänel nur noch Sumpf,
schlammig werden Schuh und Strumpf.
Regenwolken tief und schwer ,
bringen noch mehr Regen her.
 
Doch uns soll es nicht verdrießen,
es kann ruhig weiterfließen.
In Regenjacke, Wanderschuh,
stapfen wir auf Köpprich zu.
 
                               I.R.
 
 
Die alte Windmühle.
 
Sie stand auf ihrem Hügel
wohl an die hundert Jahr,
die  stolz gereckten  Flügel,
sie waren nicht mehr da.
 
In ihrer hohlen Kappe
versteckt so manches Nest,
ein starker Wind aus Osten,
der gab ihr dann den Rest.
 
Ein Müller hat vor Jahren
die Mühle restauriert,
mit manchem Mühlenfreunde
viel Schaden repariert.
 
Nun wird sie wieder mahlen
das feine weiße  Mehl,
dass Mutter wieder backen kann,
das Brot den Kuchen gel.
 
                                      I.Reimann
 
 
So könnte es gewesen sein
 
Als Gott die Grafschaft hat erdacht,
hat er auch Volpersdorf gemacht.
Er überlegte hin und her,
was für das Dorf  das Beste wär.
Er schuf ein schönes breites Tal
und viele Berge allzumal.
Auch ließ er noch ein Wasser fließen,
die Baach, so nannte man dann diesen.
Und mit dem ganzen Ist und Werde,
schuf er noch Kohle in der Erde,
damit der Mensch aus seiner Hand,
auch einen Lebensinhalt fand.
Als nun sein Werk vollendet war
und er sich alles so besah,
da hat er sicherlich gedacht,
jawohl, das hast du gut gemacht.
 
                                           I. Reimann
 
      
 
Das Wegekreuz
 
Ein altes Kreuz am Wegesrain,
wohl hundert Jahre alt.
Der Herr soll unser Mahner sein,
der Tod, er kommt sehr bald.
 
Geschmückt mit liebevoller Hand,
von Wanderern groß und klein.
Seht her, ich bin euch zugewand,
will euer Retter sein.
 
                                              I. Reimann
 
 
Hausmettel
 
Franze ies sost a kerngesonder Moann
On hoot noch nee zom Dokter messa.
Iber woas ar siech bloß ärgarn koann,
ies doas mit sänn kaala Fissa.
 
Leet ar siech obends hie zor Ruh,
eisezoppakaalt sein do seine Bääne.
Viele Stunda macht ar kä Aaga zu;
Oaber halfa koann ar siech nee alläne.
 
Drom gieht ar amol zom Dokter nemm
On derzehlt, woas ihn tutt queela.
Der Dokter mänt,´s wär hoalb asu schlemm;
Hausmettel kännda doas schon hääla.
 
„Wissen Sie“, mänt der Dokter dann,
wohin ich meine kalten Füße stecke,
wenn ichabends mal nicht schlafen kann?
Ins Bett meiner Frau, unter ihre Decke!“
 
„Ju, ju“,sät Franz on räuspert sich,
derf iech bloß noch freen doas äne:
Wann hoot ihre Frau woll Zeit ferr miech
Als Hausmettel ferr meine Bääne.

                                  Hermann Günze

 

   

      Volperschdroff

      Ach, die Zeit
Ach, die  Zeit liegt gar nicht weit,
Hundert Jahr, sind keine Zeit.
Zweihundert und noch viel mehr,
Sind noch gar nicht lange her.
 
Mutters, - Uropas Lebensalter,
Der Geschichte ihr Gestalter.
Sie drückten ihr den Stempel auf,
Mit Geschehnissen zu Hauf.
 
Doch im Nachhinein betrachtet,
Von uns allen kaum beachtet:
Tja! - Die Zeit war eben so,
Heut nicht mehr, und wir sind froh.
 
Doch in den Entwicklungsspannen,
Verbirgt sich was sie einst begannen.
Fundamente die sie legten,
Sind es, die die Welt bewegten.
 
In der Hektik unserer Tage,
Ein Ahnen nur, ein Spüren, - vage. –
War es nicht schon immer so?
Nein, nicht immer, - ach! Ach, so.
 
                               Erhard Gertler
 
        
Faadarnschleißa
 
Wenn’s vu Kälde draußa kracht,
Schniebedackt sein oalle Felder,
Em a Femfe ies breits Nacht,
Aach die Loft wird emmer kälder,
On a Wend zom Maulzerreißa,
Doas ies die Zeit zom Faadarnschleißa.
Zengstrem em a Kacheluufa,
Setza oalle quietschvergniecht,
Ei daan schiena woarma Stuba,
Schleißa, doaß die Zeit verfliecht.
Rechts die Kiela, links die Dauna,
Jede Faader wird beressa,
Vu uuba ronder, bes zom Dauma,
Ganze Haffa warn geschlessa.
Weiß on groo sein Kläd on Hoosa,
Oalles vuul met Faadarn leit:
„Emm Goots Wella, bloos nee bloosa!”
Weil’s dann ei der Stube schneit.
Naabahar wird viel derzahlt,
On gelacht, hender der Hand!
A guuder Kaffee a nee fahlt,
Dar die Miedichkät verbannt.
Em a Oamd, met der Lutternne,
Ziehn die Schleißer wieder fatt,
Ma sitt se gunka, ei der Fernne
On se tonka doo on datt,
Met a Mäntan ei a Schnie,-
Die schiene Zeit, wu iss se hie? –

                                                      Erhard Gertler

       
      Stiftung - Freude
       
      Freue Dich, Volk vom Glatzer Lande!
      Freue Dich am treuen Stande,
      Wenn ein Platz gefunden ist,
      Wo man Deine Schätze mißt!
       
      Freue Dich, wenn die letzte Habe,
      Bewahrt wird vor’m Geschichte-Grabe,
      Mit Heimattreue und viel Mut,
      Das tut Deiner Seele gut.
       
                                    Erhard Gertler
       
           Lautmoalerei
       
      Onse aale Mietzekoatze,
      Woas fer schiene Taage hoatt se.
      Brauchte nee spenna, brauchte nee waaba,
      Brauchte kä Putter nee zom Laaba,
      On brauchte a känn Hauszenns gahn,
      Brauchte blooß offs Moisla sahn.
       
      (Verfasser des Spruches nicht bekannt/
      aus Kleindehsa, bei Löben Oberlausitz/
      in Glatzer Mundart übertragen)
       
                                   Erhard Gertler
       
      Schmerzlicher Verlust
       
      Ostdeutsche Mundarten,
      Nun seid ihr verraten,
      Nun seid ihr verkauft,
      Weil  wenig gebraucht.
       
      Im Beliebtheitsmessen,
      Völlig vergessen,
      Der Dialekt ohne Land,
      In die Ecke verbannt.
       
      Von der Zeit eingeengt,
      Der Geschichte verdrängt,
      Und keiner will wissen,
      Ob wir sie vermissen.
       
      Laßt die Mundart nicht sterben!
      Gebt sie weiter den Erben!
      Gebt sie weiter mit Herz!
      Der Verlust ist ein  Schmerz. –
       
      Eine Kultur segelt schief! -
      Nur der weiß wie tief,
      Sie im Inneren  brennt,
      Der die Mundart kennt. -
       
                                         Erhard Gertler

         

           
          Oalles ei’s Groasetuch
         
          (fer die Steftong)
           
        Loite, lott ons techtiech groasa,
        Onsa letzta griena Roasa!
        Oalle Zuppa doo on datt,
        Trä mier eim Groasetuche fatt.
           
        Ganz wie frieher, nooch Derhääme,
        Groas mer zwescher Strauch on Bääme,
        Zwescher Greebarn, o a Rändarn,
        On doo droa sool siech nischt ändarn.
           
        Oalle Zuppa sack mer ei,
        Ei doas Groasetuch datt nei.
        Soamman jedes Halma klään,
        Woas mer ei die Steftong trään.
             
        Miehseliech woar onser Laaba!
        Och! Mier toata’s ganne laaba! –
        Zeicht wie onse Miehsoal’n woarn,
        Bevor mer oalles on verloarn.
             
        Doaß oalle nooch ei Zukonft sahn,
        - Woas se ganne iebersahn: -
        „ Wenn es Menschahazze blutt,
        Ies doas fer die Welt nee gutt!“
             
        Schoafft met oaller Kroaft die Stätte,
        Die ma fer speeter ganne hätte!
        Dermiet kä Hazze nemme blutt,
        Wenn ma siech derrennarn tutt.
           
                              Erhard Gertler

              Zeugen einer Zeit

       Wir tragen sie  zu Grabe,

      Die letzten unserer Habe,

      Die Menschen, Zeugen einer Zeit,

      So wird die Welt von Schuld befreit.

       

      Seit Jahren schon, so Stück für Stück,

      Durch Vorwärtsdenken, - nicht zurück.

      Im Zukunftsdenken liegt der Zweck!

      - Wo, im Gewesenen ist der Gag- ?

       

      So fragt der Mensch, der so verblendet,

      Doch  oft hat alles sich gewendet,

      Hat Wurzelkraft sich offenbart,

      Um das Gewesene sich geschart.

       

      Gefühle sind dann aufgetan,

      Sie schreien laut und klagen an,

      In aufgewühlten Stunden:

      Warum verheilen nicht die Wunden?

       

      Warum trotz ruhelosem Treiben,

      Muß alles auf der Seele bleiben?

      Warum will man davon nichts erben,

      Wenn Zeugen sterben?

       

                                          Erhard Gertler

       

        Offm Kärchhofe

         

        Wenn Franze amol eis Nockwerdorf kemmt,

        do denkt ar o ääs ganz bestemmt,

        doaß ar zom Groabe seiner Mutter gieht,

        a Gebaatla sprecht on zom Rechta siehtt.

         

        Wie er ämol wiell wieder off häämzu giehn,

        siehtt ar bei äm Groabe änn Moann datt stiehn,

        da verr siech hie joomert on kläät:

        „ Mier bleit oalles Glecke versäät,

         

        seit du da Welt a Recka gekehrt.

        Mei Laaba ies ganz on goar zerstärt!

        Wärscht du noch do, es ginge mier gutt;

        Oaber asu gieh iech baale woll kaputt!“

         

        Franza tutt doas Häffla Elende lääd,

        ar gieht hie zo dam Moanne on säät:

        „ Änn lieba Menscha tun sie do beklään:

        Asu woas ies monchmol schwer zo erträän.

         

        Ihrn Schmerz koann iech gutt verstiehn,

        oaber es muß halt wieder wätter giehn!

        War ies es denn, da do eim Groabe leit?“-

        Es tauert eine geraume Zeit,

         

        bes dar geploochte Mann zor Ruhe fend

        on wieder a besla Zutrauen gewennt.

        On dann erfährt es Franze ganz genau:

        „ Hier leit der erschte Moann vo meiner Frau!“

         

                                                     Hermann Günzel

         

        Ein flüchtig Leben

        Ach, wie ist es wunderschön,

        Dem Vogelfluge nach zu seh’n!

        Mal von Ast zu Aste zu hüpfen,

        Unter Blätter schnell zu schlüpfen.

         

        Sich verstecken vor der Welt,

        Unter’m himmlischen Gezelt.

        Der Gefahr flugs zu entflieh’n,

        Und von Ort zu Orte zu zieh’n.

         

        Jeder freut sich, jeder liebt Dich,

        Wenn er einmal wieder sieht Dich!

        Mag man Dich nicht, an dem Ort? -

        Schwupps. schon bist Du wieder fort!

         

        Ach, wir Menschen haben’s schwer. -

        Wenn man doch ein Vogel wär’! -

        Man könnte fliegen, sich verstecken,

        Und die Welt, sie könnt uns lecken.

                                             Erhard Gertler

         

Die Schwoalba

Wenn die Schwoalba siech soamman,

Oa die Drehte siech kloammarn,

Doas fliecha ieba,

Eim Hella, eim Trieba.

 

Ämoal doo, ämoal datt,

Jeder wääß, die ziehn fatt.

Hoan ä Ziel blooß eim Schelde,

Flink ei woarme Gefelde.

 

Och, Ihr Schwoablan, Ihr klänn,

Wie teet iech miech frään,

Met Oich miet zo flattarn,

On die Sonne dergattarn.

 

Die Wärme tutt fahla,

Eim Norden, eim kahla.

Oaber mier haala Stand,

Hitta Hof, on a Land.

 

Bleit gesond ei der Fernne,

Mier hoan Oich doch gernne!

Kommt gleckliech zorrecke,

Iehr brängt ons doch Glecke!

 

Wenn’s Friehjoahr waat doo sein,

Watt Ihr a wieder doo sein,

Wenn Ihr’s Naast eigenoamma

Hääß mier Oich wellkoamma.

 

                                         Erhard Gertler

       

Die Sage vom Raubschlosse auf dem

Quingen-Berge

bei Volpersdorf.

 

In Volpersdorf stand einst ein Schloß

das finsterer Wald bedeckte

Worin ein wilder Räubertroß

Verwegene Pläne heckte.

Doch trieben diese kühnen Leute

Das Räuberhandwerk fern im Land

Und lebten hier von ihrer Beute,

Den Gaubewohnern unbekannt.

 

Bewohnet war erst dazumal

Des Dorfes Teil gen Westen

Gefüllet noch das ob´re Tal

Mit Wäldern und  Morästen.

Wie arm die Leute sonst auch waren

So wallte Sonn – und Feiertag

Das Dörflervölklein Paar bei Paaren

Ins Kretschmerhaus zum Lustgelag.

 

So ließen, was sonst nie geschehn,

Des Nachts bei Jubelstunden

Sich manchmal fremde Stutzer sehn

Die wieder still verschwunden.

Gemächlich wurden sie bald freier,

Sie zechten brav – bezahlten gut –

Und tanzten bei Schalmei und Leier

Ganz unbesorgt mit frohem Mut

 

Im Löwengrund gab´s eine Magd

Beim Müller, schön vor allen,

Die hat, wie uns die Kunde sagt,

Den Fremden bald gefallen,

Man überhäufte sie mit Bitten,

Sie möge doch mit ihnen gehen

Nach ihrer Heimat schönen Hütten

Und schenkten Gold ihr, bei dem Flehn.

 

Die Dirne, Räuber ahnend, bat

Bei so bewandten Sachen

Den Brotherrn um geneigten Rat,

Was hier doch sei zu machen.

Geheim ward nun herbeigezogen

Beratend mancher kluge Mann.

Man fasste endlich wohlerwogen,

Für die Entdeckung einen Plan.

 

Man hieß der Dirne: In so fern

Die Fremden wiederkehren,

Sollt` zögernd sie den saubern Herrn

Den frechen Wunsch gewähren.

Es ward gelobt, ihr beizustehn,

Nur zeichnen musste sie den Pfad,

Den man mit ihr nun würde gehen

Und den man ihr zu folgen hat.

 

Der nächste Sonntag kommt heran,

Man tanzte ohne Sorgen

Gerüstet hat sich jedermann;

Die Waffe war verborgen.

Ganz frei und ahnungslos erschienen

Nun auch die unbekannten  Herrn,

Umringten stets mit süßen Mienen

Das Mädchen kosend nah und fern.

 

Die dreisten Wichte wagten laut,

Den Antrag zu erneuen

Und schlau schien sie, mit ihn`n vertraut,

Den Gang nicht zu bereuen.

Gab vortgeh`nd aber ganz verstohlen

Den Dörflern einen leisen Wink.

Macht mit den Herrn sich auf die Sohlen,

Empfahl sich Gott getrost und – ging.

 

Vergessen war das Lustgelag, -

Man griff zu Spieß und Keule

Und folgte den Entführern nach

In wohlbedachter Eile.

Die Dörfler fanden nach Verlangen

Die Spur- und alles war erfreut

Die Magd hat, wo der Zug gegangen

Mit Erbsen hie und da gestreut

 

Jetzt nun verfolgte man die Spur

Durch Sumpf, Gebirg und Klippe,

Man kroch auf ungebahnter Flur

Durch Heck` und Waldgestrippe.

So langten nun die wackren Sbirren

Auf steilem Hochgebirge an,

Doch fast ergriff sie  jetzt Verwirren,

Als sie ein Schloss hier vor sich sahn.

 

Da flüstert`s leise durch die Schar.

„Ist`s Mädchen noch am  Leben,

So muß sie wies beredet war,

Uns doch ein Zeichen geben.“-

Und näher schlichen sich die Leute

Dem unbekannten Aufenthalt,

Gefaßt war alles schon zum Streite,

Als rufend eine Stimm erschallt.

 

Es war die Heldenmagd, sie lief,

Weil ihr so peinlich bange,

Ans Fenster hin und rief

Zu Zeichen, ach so lange! -

Der Räubertroß entbrach in Lachen:

„Wird, Dirne, dir die Zeit zu lang?

Wart, wollen dir sie kürzer machen,

Sonst wirst du uns vor Heimweh krank“.

 

Siehst du die Sag´ für Fabel an

-Wie viele ihresgleichen -

Geh´ steig den Quingen-Berg hinan,

Du findest noch die Zeichen

Vom alten Raubschloß im Gesteine

Und suchte man mit Hack´ und Spat´

Man fänd´ vielleicht noch die Gebeine

Derer, die man erschlagen hat.

 

Wie wenn Orkan tobt durch den Wald

Nach friedlich hehrer Stille,

So stürzt aus ihem Hinterhalt

Die Schar mit Sturmgebrülle.

Zerschmetterte der Tore Riegel

Und drang durch jede Öffnung ein.

Der Tod schwang seine dürren Flügel,

Der Waffenklang durchdröhnt den Hain.

 

Nach dem gemach vom ersten Schreck

Die Räuber sich entraffen,

So schwingen auch sie mutig keck

Toddrohend ihre Waffen

Jedoch die rüst´gen Dörfler siegen;

Die Räuber werden hingestreckt-

Tod mussten sie vor ihnen liegen,

Der Boden raucht, von Blut bedeckt.

 

Im Kampfe war die Dirn entfloh´n,

Weshalb man sehr in Sorgen,

Schon ruft man sie im Klageton,

Doch hat sie sich verborgen,

Und überrascht dann ihre Leute

Die freudig ihr entgegenschrei´n.

„Dich, Dirne soll von diesem Streite“

Der größte Nachruhm stets erfreu´n.

 

Zerstöret ward bis in den Grund

Sogleich die Räuberfeste,

Und in des Tales tiefen Schlund

Gestürzt die Überreste. -

Der Ruf: Die Räuber sind bezwungen!

Ertönte bis ins nahe Land;

Der Ort, wo dieser Sieg errungen

Wird heut noch Quingen-Berg genannt.

                                                   Hans Kastner

 

Wenn jemand etwas zu dem Gedicht der Quingenburg von Volpersdorf wissen möchte. Hier einige verkürzte Zeilen,
aus der Neuroder Chronik:
Vom Annaberg in Neurode kommt ein alter Weg herunter, er wurde im Volksmund Höllenweg genannt. (Hellweg oder auch Heerweg). Er findet jenseitz von Volpersdorf und Köpprich seine Fortsetzung. Dort steht auch ein Höllenberg. Es muss in dieser Richtung ein Verbindungsweg vom Braunauer Ländchen über die Neuroder und Volpersdorfer Gegend nach der schlesischen Ebene gegangen sein. Er führte an dem Quingenberge (-Zwingburg ? ) vorbei, auf dem eine  Ritterburg stand. Ausgrabungen der Lehrer Gallant und Schlums führten tatsächlich Überreste eines Bauwerks zutage. Auch auf der Schlesischen Seite des Gebirges ist auf den Karten ein Burgberg und ein Burggrund eingezeichnet. Von der Zwingeburg und ihrer Zerstörung durch die Volpersdorfer Bauern weiß aber sonst nur die Sage, keine einzige Urkunde.
 

Schlechtes Water

Wenn Storm braust dorch die Bääme,

on der Rään klatscht o die Scheiba,

do ies´ bei äm selcha Treiba,

om besta, ma bleit derhääme!

A worma Uufa ei sämm Recke,

Raach ausm Pfeifla em die Noase,

a guudes Träppla ei sämm Gloase -

do wird´s  säusche Water zom Glecke!

                               Hermann Günzel

               Waldgrund

Oos  Eulagebärge  oageschmiegt,

ganz verstackt ei  äm Puuschwenkel liegt

a winzich Därfla; Waldgrund genannt;

es poaßt asu rechtich eis Glotzer Land.

 

VoGoarta emgahn die Häuser datt stiehn;

Em Hange lang siech stänige Felder ziehn.

Bächlan rauscha vo a Barga roa

On plätscharn dorch soaftige Toalwiesa  noa.

 

Eim Sommer vo Bluma ieberseet, eim

Wenter mit Schnie zugeweht,

eim Herbste recht bunt, eim friehjoar freschgrien:

Eim Waldgrunde ies es emmer schien.

 

Aach dann, wenn amol der Stormwind braust

On wie a Welder ei a Pescha haust;

wenn`s gewittert  mit oaller Gewalt,

doaß es ei a Barga  grausig widerhallt,

 

wenn die Sommerhetze oalles versengt

oder grimmige Kälde onder die Nääle drengt,

wenn´s techtich räänt oder die Sonne lacht,

wenn´s naablich ies oder sternkloare Nacht.-

 

Zom Laaba datt gehärt oalles derzu:

Der heftige Storm, die friedliche Ruh,

die Wentersnuut, oaber aach´s Wachsa ons Bliehn,

eim Waldgrunde ies es halt schien!.

               Hermann Günzel

 

Der Jachelschneider

A kläänes Mannla ausm Legagrunde

hoatte doas Schneiderhandwerk erlannt.

Es woar dann ols Jachel-Schneider

oalla Volperschdroffarn bekannt.

 

Mit seiner Oarbt woar ma zofrieden,

doch hoatt´s monches, woas nee gefiel:

Wie gedruckt kunnde Jachel liega

on vo Ehrlichkeit hielt ar nee viel.

 

Ämol wullde der Sandma-Pauer

siech änn Sonntich-Oazug macha loon,

on zwoar vom besta Neuroder Tuche,

woas ar zom Mäster schon hoatte hiegetoon.

 

Ols a poar Taage woarn verganga,

koam der Jachel-Schneider zo ihm hie.

Nischt Guudes hoatte dar zu berechta

“Es ies woahr, asu wie iech hier stieh,

 

heute nacht hoan se eigebrocha

on mitgenumma doas beste Tuuch,

doas ferr Dänn Oazug! Iech koann´s nee foassa!

Iech gieh etz zom Scholza huuch,

 

om datt dan Diebstoahl oazozeiga!“

Der Scholze härte siech die Geschechte oa

on mänte - wie aach andre eim Dorfe –

do wär kä Kernla Woahrhät droa.

 

Ar hulIte siech derzu zwee Schäffa,

om o Oart on Stelle nochzosahn.

Sie brauchta goar nee lange sucha,

die Vermuttung hoatte dan recht gegahn:

 

Zoonderscht ei der Fleckla-Kiste

foanda se doas “gestohlne Gutt“.

Ieberfuhrt woar do der Jachel-Schneider;

on dar koam jetze ei gruße Nuut.

 

Verurteilt wurda vom Dorfgenechte

zom Hoalseisa glei a Sonntich druuf.

Doas woar die verdiente Strofe!! -

Schon friehmargas brocht man nuff

 

zor Schölzerei o die Mauer.

Weil doas Mannla woar sehr klään,

langte ar nee nuff bes zorn Eisarenge;

do leete ma onder änn decka Stään.

 

On dann stoand ar o der Mauer datte!

Die Kärchleute zuga o ihm verbei.

Woas ar siech do oalles oahärn mußte,

brochta foast zur Roaserei!

 

Die Sonne stieg emmer hicher,

on die Hetze soatzte dam Orma zu.

Bes zom Ombde sullt doas noch tauarn!

On die Fliega ließa ihm käne Ruh!

 

Hände on Fisse woarn ei Schella,

drom kunnda siech gegen nischte wehrn.

Do koam aach noch ne gruße Hummel!

On dar gefiel‘s ‚ em sänn Koop zu schwärrn.

 

“Giehste weg“, prellte do der Schneider

on troat wie weIde off dam Stääne rem;

dar fing bedenklich oa zo wackan

on kippte zo oallem Unglecke em.

 

Es goab änn Ruck, die Keeta klärrta,

oaber doas Hoalseisa goab nee noch!

Tuut hing datt doas Schneidarla drenne;

es woar´s Genecke, doas ar siech broach.

 

Die Leute, die aus der Kärche koama,

blieba erschrocka on ganz stelle stiehn.

“Herr, gieb ihm die ewige Ruhe“,

batta se beim Auseinandergiehn.

 

Sie woar schon grausoam, die Strofe,

die ma verhängte ferr selch äne Toot;

drom woar der Jachel-Schneider der letzte,

dar eim Hoalseisa gestanda hoot.

                               Hermann Günzel
 

 
 
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